Stenzel gibt Entscheidung über Kandidatur erst im September bekannt

18. August 2015, 13:12
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Auch die Wiener ÖVP weiß noch nicht, ob die Bezirksvorsteherin neuerlich antreten wird. Spitzenkandidat Figl möchte verhindern, dass die Innere Stadt zum Freiluftmuseum wird

Wien – Bis 4. September hat Ursula Stenzel theoretisch noch Zeit, ihre Kandidatur als Bezirksvorsteherin in der Inneren Stadt bekanntzugeben. Die Hürde ist vergleichsweise niedrig: Die Politikerin braucht nur 50 Unterschriften zu sammeln, um die Kandidatur auf Bezirksebene einzureichen.

Die ÖVP hatte sich ja auf einen neuen Spitzenkandidaten im ersten Bezirk geeinigt. Der 42-jährige Markus Figl sollte in Stenzels Fußstapfen treten, er wurde im November letzten Jahres beim Bezirksparteivorstand einstimmig zum Spitzenkandidaten für die Wahl 2015 gekürt. Doch Stenzel war über diese Neuigkeit wenig erfreut. Die Tage ihrer Herrschaft in der Inneren Stadt sollten so abrupt zu Ende gehen? Seit November gibt es bereits Gerüchte, Stenzel könnte mit einer eigenen Liste antreten.

Vormachtstellung im Ersten

Das würde freilich die ÖVP schmerzen, setzt sie damit aufs Spiel, die Vormachtstellung in der Inneren Stadt aufzugeben. Treten nämlich zwei Listen aus dem Umfeld der ÖVP im ersten Bezirk an, rechnen sich sowohl Grüne als aus SPÖ große Chancen aus, nach der Wahl am 11. Oktober den Bezirksvorsteher zu stellen.

2010 kam die ÖVP mit Spitzenkandidatin Stenzel auf 37,9 Prozent der Stimmen, Platz zwei ging an die SPÖ mit 23,4 Prozent. Die Grünen kamen auf 18,4 Prozent, die FPÖ auf 10,3 Prozent.

"Fürchte mich nicht"

Bei einer Pressekonferenz am Dienstag äußerte sich Figl, Großneffe des einstigen Bundeskanzlers Leopold Figl, zumindest oberflächlich betrachtet gelassen. "Es gibt eine Demokratie. Jeder kann antreten, der möchte." Außerdem belebe Konkurrenz das Geschäft. Ob er Angst vor einer möglichen Kandidatur von Ursula Stenzel habe? "Nein, ich fürchte mich vor gar nichts."

Stenzel persönlich war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Ihre Sprecherin sagte zum STANDARD, dass Stenzel ihre Entscheidung in der Woche ab 31. August bei einer Pressekonferenz bekanntgeben werde. Auch der Wiener ÖVP-Vorsitzende Manfred Juraczka hat immer wieder betont, nicht zu wissen, ob Stenzel kandidieren werde. Zuletzt machten Gerüchte die Runde, Frank Stronach könnte eine Kandidatur Stenzels finanziell unterstützen.

Kein Disneyland

Figl jedenfalls kündigte an, sich für alle Generationen im ersten Bezirk einsetzen zu wollen. Für die Alten will er ein Pflegewohnheim in der Riemergasse errichten lassen, für Familien "Kinderspots" im Bezirk etablieren, wo etwa Wippen zu finden sein sollen. Figl will, dass die Innere Stadt auch ein Wohnbezirk bleibt und nicht zu einem "Disneyland" oder einem Freiluftmuseum verkommt. (Rosa Winkler-Hermaden, 18.8.2015)

  • Ursula Stenzel macht es spannend: Sie verrät erst in der ersten Septemberwoche, ob sie bei der Wien-Wahl wieder kandidieren wird.
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Ursula Stenzel macht es spannend: Sie verrät erst in der ersten Septemberwoche, ob sie bei der Wien-Wahl wieder kandidieren wird.

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