Neos Oberösterreich bieten Kuchen statt Lohn

18. August 2015, 11:28
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Pinke in Oberösterreich suchen "auffällige Kreativmonster" für Gratisarbeit – Gewerkschaft kritisiert "Unterwanderung gültiger Kollektivverträge"

"Ist dir langweilig? Mach mit beim coolsten Polit-Start-up Österreichs und sichere dir eine Top-Referenz in deinem Lebenslauf! Wir haben kein Geld, um dich zu bezahlen, aber wir haben leckeren Kuchen." Mit diesem Text versuchen die Neos in Oberösterreich kostenloses Personal zu gewinnen.

screenshot: derstandard.at

Gesucht wird beispielsweise ein Grafiker oder eine Grafikerin im Ausmaß von 10 bis 40 Wochenstunden, ehrenamtlich. Als Lohn winken "lässige Arbeitskollegen, mit denen man viel Spaß hat und abends auf ein Bier geht".

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Außerdem "leckere Croissants oder selbst gebackenen Kuchen jeden Tag". Dafür erwarten sich die Neos offenbar Grafik-Profis. "Wenn du Paint verwendest, solltest du nicht mehr weiterscrollen. Vielleicht ist ein anderer Job besser für dich. Wir haben ja zum Glück mehrere zur Auswahl", heißt es.

Auffällige Kreativmonster

Auch von den Gratis-Callcenter-Agents haben die Neos genaue Vorstellungen: "Deine Computerkenntnisse enden nicht bei Facebook, sondern du kannst auch mit Word und Excel umgehen." Wer seine kostenlosen Dienste als "Projektmanager Aktionismus" anbieten will, muss ein "Kreativmonster" sein und es lieben aufzufallen und zu provozieren. Wer einmal Journalist werden will oder "eng mit der Presse verbandelt sein will", möge sich laut Neos als Mitarbeiter in der Pressestelle bewerben.

Kritik von Gewerkschaft

"BerufseinsteigerInnen bis zu 40 Stunden ohne Bezahlung beschäftigen zu wollen, das hat mit Ehrenamt gar nichts zu tun: Wer den Berufseinstieg junger Menschen als ehrenamtliche Arbeit bezeichnet, der unterwandert gültige Kollektivverträge und er raubt den Betroffenen ihre Zukunftsperspektive," kritisiert Helmut Gotthartsleitner, Bundesjugendsekretär der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier, den Aufruf der Neos. Die Neos seien aufgefordert, alle ihre Mitarbeiter, auch die sogenannten Ehrenamtlichen, in ordentlichen Arbeitsverhältnissen zu beschäftigen, heißt es in der Presseaussendung der Gewerkschaft.

Neos: Wahlkampfzeiten sind Ausnahmezeiten

"Wahlkampfzeiten sind Ausnahmezeiten. Ohne ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die täglich auf der Straße stehen und uns in der Kampagnenarbeit unterstützen, kann Wahlkampf nicht funktionieren. Das gilt nicht nur für Neos, sondern für alle politischen Parteien", teilen die Neos Oberösterreich in einer schriftlichen Stellungnahme dem STANDARD mit. Man sei dankbar dafür, dass es "so viele – gerade junge – Menschen gibt, die auch Teile ihrer Sommerferien oder ihres Urlaubs opfern, um mitzuhelfen".

Auf Facebook äußerte sich die Spitzenkandidatin der Neos in Oberösterreich, Judith Raab folgendermaßen: "Ich war einige Zeit ehrenamtliche Bewährungshelferin. Müssen wir den Verein, der das organisiert jetzt auch beschimpfen?"

(burg, 18.8.2015)

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