Wienerberger-Chef: Häuselbauer fehlt Finanzierungskraft

18. August 2015, 07:55
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Gewinn im Gesamtjahr erwartet – Geschäft im deutschsprachigen Raum enttäuschend

Wien – Wienerberger-Chef Heimo Scheuch wünscht sich von der Politik mehr Umsetzungskraft. Es seien zwar viele Pakete zur Konjunkturbelebung durch den Wohnbau versprochen worden, aber Österreich sei nun einmal "Ankündigungsweltmeister", sagte er vor Journalisten. Den Bürgern fehle es an Finanzierungskraft und es werde zu wenig in die kommunale Infrastruktur investiert.

Eine Entrümpelung der bürokratischen Vorgaben könnte den Wohnbau verbilligen. So erinnert er daran, dass jedes Bundesland eine eigene Raumordnung hat. Und auch bei den Grundstückpreisen könnte die Politik tätig werden, in dem sie etwa Flächen im öffentlichen Besitz günstig für den sozialen Wohnbau zur Verfügung stellt.

Wobei: In den Ballungszentren werde durch die hohe Nachfrage durchaus gebaut, nur ist das mehrgeschoßiger Wohnbau, der in der Regel in Fertigbetonweise ausgeführt ist, während Wienerberger Weltmarktführer bei Ziegel ist. Während der Wohnbaumarkt für Wienerberger im deutschsprachigen Raum um rund zwei Prozent rückläufig war, gab es in Deutschland am Gesamt-Wohnbaumarkt im ersten Halbjahr 2015 ein Plus von 2,6 Prozent gegenüber den ersten sechs Monaten 2014, meldete heute, Dienstag, das deutsche statistische Bundesamt.

Zum Ausblick für das heurige Gesamtjahr meinte Scheuch, dass im Bereich Ziegelbau und in Nordamerika ein "deutliches Umsatz- und Ergebniswachstum" erwartet wird. Beim Rohrgeschäft wiederum ein "deutliches Ergebniswachstum".

Der Kurs der Wienerberger-Aktie legte nach guten Halbjahreszahlen, die zum Teil über den Schätzungen der Analysten lagen, am Dienstagvormittag um 3,39 Prozent auf 15,87 Euro zu.

Gutes Halbjahr

Der weltweit größte Ziegelhersteller blickt auf ein gutes 1. Halbjahr 2015 zurück und hat deshalb den Ausblick für das Gesamtjahr angehoben. Nach einem Sanierungsprogramm in den vergangenen Jahren konnte das Betriebsergebnis in den ersten sechs Monaten heuer auf 68,3 Millionen Euro mehr als verdoppelt werden, das Ergebnis nach Steuern drehte ins Plus und lag bei 21,1 Millionen Euro.

Der Umsatz erhöhte sich von 1,349 auf 1,475 Milliarden Euro, der Free Cashflow gab um 27 Prozent auf minus 123,6 Millionen Euro nach, die Nettoverschuldung erhöhte sich von 621,5 auf 785 Millionen Euro. Die weltweite Mitarbeiterzahl stieg um sieben Prozent auf 15.819. Zum Ausblick meinte Konzernchef Heimo Scheuch, man werde beim operativen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) nicht bei den erwarteten 350 Millionen Euro liegen, sondern auf 375 Millionen Euro kommen. Die Investitionen würden leicht anziehen, die Abschreibungen gleich bleiben. Es werde jedenfalls im Gesamtjahr einen Gewinn geben.

Im heurigen Jahr hätten sich die Märkte bisher recht unterschiedlich entwickelt. In Großbritannien, den Niederlanden, Belgien, den USA sowie in den meisten Ländern Osteuropas sei es gut gelaufen – mit Ausnahme von Russland. Der Markt mache aber nur zwei Prozent des Gesamtumsatzes von Wienerberger aus. "Enttäuscht" zeigte sich Scheuch vom deutschsprachigen Raum. Den Grund für das schwächere Geschäft in Österreich, Deutschland und der Schweiz sieht er einerseits darin, dass sich der Zuzug hauptsächlich in den Ballungsräumen abspielt, und beim mehrgeschoßigen Wohnbau eben Ziegel nicht so weit verbreitet seien. Dazu kämen noch die hohen Kosten fürs Wohnen. (APA, 18.8.2015)

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