Hossein Shariatmadari, Chef der iranischen Zeitung "Keyhan"

17. August 2015, 19:18
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Der Mann, der Khamenei sagt, was dieser denkt

Feigheit kann man ihm nicht nachsagen, dem Chefredakteur und Leitartikler der iranischen Hardliner-Postille Keyhan, des Organs der iranischen Atomdealgegner: Hossein Shariatmadari ignoriert alle Warnungen, die die iranische Medienaufsichtsbehörde Anfang August gegen jene Zeitungen – auch Keyhan – losließ, die der iranischen Regierung nichts weniger als Verrat an den Prinzipien der Islamischen Republik vorwerfen. Shariatmadari schreibt weiterhin gegen das Abkommen, das einerseits das iranische Atomprogramm auf Jahre beschränken, aber andererseits dem Iran eine Aufhebung der Wirtschaftssanktionen bringen soll.

Für seinen Leitartikel am Samstag ließ sich Shariatmadari etwas Besonderes einfallen: Er "analysierte" die Rede, die der religiöse Führer Ali Khamenei nach Abschluss des Atomdeals gehalten hatte, und kam zum Schluss, dass Khamenei im Grunde gegen das Abkommen sei. Weshalb das iranische Parlament dem – unausgesprochenen – Wunsch Khameneis entsprechen und dagegen stimmen solle.

Fürwahr ein rabulistisches Kunstwerk: Khamenei wird ja nicht müde zu betonen, dass der Atomdeal keine Auswirkungen auf die sonstige iranische Politik haben wird. Und da das – meint Shariatmadari – unmöglich ist, ist Khamenei eigentlich gegen das Abkommen. Ist doch klar.

Gefangener in der Schah-Zeit

Hossein Shariatmadari (66) hat teuer für die Revolution bezahlt, deren Pfeiler, wie die Feindschaft zu den USA, er heute in Gefahr sieht. Während der Schah-Zeit wurde er verhaftet, schwerstens gefoltert und zu lebenslanger Haft verurteilt. Sein Medizinstudium konnte er nicht abschließen. 1979 kam die Befreiung – und der Aufstieg Khomeinis, zu dessen Gefolgschaft Shariatmadari schon zuvor gehört hatte.

Diesem System, wie er es versteht, hat er sein Leben verschrieben, dafür wird er von den sogenannten Prinzipalisten bewundert – und von den Moderaten und Reformern gefürchtet und gehasst. Die Polarisierung durch die Präsidentschaft Mahmud Ahmadi-Nejads beziehungsweise dessen umstrittene Wiederwahl 2009 machte er mit wahrer Wonne mit: Den Herausforderer Ahmadi-Nejads, Mir-Hossein Mussavi, beschuldigte er der finstersten Verbrechen. Als er im Dezember 2014 an der Universität Teheran einen Vortrag halten wollte, wurde er als "Lügner" niedergebrüllt. Wenige Fans hat er auch auf der arabischen Seite des Persischen Golfs, seitdem er iranische Ansprüche auf Bahrain anmeldete. (Gudrun Harrer, 17.8.2015)

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