Berliner Griechenlandabstimmung: Merkels Spagat

Kommentar17. August 2015, 17:41
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Merkel versucht den Internationalen Währungsfonds doch noch mit an Bord zu holen

Der Deutsche Bundestag wird am Mittwoch eine weitere Griechenland-Hilfe absegnen. Daran besteht kein Zweifel. Zu überwältigend ist die Mehrheit in der großen Koalition. Dennoch bietet die Abstimmung einiges an Spannung, rund um die Kanzlerin und ihre Partei.

Zuletzt, im Juli, votierte ein Fünftel der Unions-Fraktion gegen neue Verhandlungen über weitere Griechenland-Hilfen. Nun könnte das Lager der Neinsager aus den Reihen von Angela Merkels Partei weiter ansteigen. Die Skepsis ist nicht kleiner geworden. Griechenland verpflichtet sich zwar zu harten Einschnitten, doch viele Konservative in Berlin glauben nicht so recht daran, dass die Regierung in Athen diesen Reformkurs wirklich durchstehen wird.

Auf den letzten Drücker versucht Merkel deshalb, den Internationalen Währungsfonds (IWF) doch noch mit an Bord zu holen. Das tut sie, indem sie eine Art "Schuldenschnitt light" ins Spiel bringt: größerer Spielraum bei Laufzeit und Zinssätzen. Dies ist Merkels Mehrfachspagat. Sie will Athen Erleichterungen bei der Schuldenrückzahlung gewähren und den IWF zurückgewinnen – und obendrein Kritiker in den eigenen Reihen besänftigen.

Nach außen beharrt Merkel zwar auf dem Nein zum Schuldenschnitt für Athen. Doch der Währungsfonds gilt als harter Sanierer. Viele Skeptiker würden sich wohl zu einem Ja durchringen, wenn sich IWF-Chefin Christine Lagarde zum Mitmachen erweichen ließe. (Christoph Reichmuth, 17.8.2015)

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