Nigeria: Mit Kettensägen gegen Schwarzgeld

18. August 2015, 07:22
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Nigeria will mit Kapitalverkehrskontrollen die Währung stärken und den Schwarzmarkt bekämpfen. Davon profitiert der illegale Devisenhandel

Abuja/Wien – Nigerias Wirtschaft leidet. Der niedrige Ölpreis setzt den Haushalt und die Währung der größten Volkswirtschaft Afrikas unter Druck. Die stark vom Ölexport abhängende Volkswirtschaft leidet unter den niedrigen Ölpreisen, der nigerianische Naira hat in den vergangenen zwölf Monaten gegenüber dem US-Dollar stark an Wert verloren.

Der Schwarzmarkt hingegen floriert. Um dieses explosive Gemisch zu entschärfen, hat die nigerianische Regierung nun reagiert und den Zahlungsverkehr noch strenger reglementiert. Ziel ist es, die heimische Wirtschaft und den nigerianischen Naira zu stärken – und den Schwarzmarkt zu bekämpfen. Bisher ist die Saat allerdings noch nicht aufgegangen.

Im abendlichen Schatten der Bäume und hinter Sträuchern, die die Straßenränder der Hauptstadt Abuja säumen, floriert jetzt nämlich ein neuer illegaler Zweig: der Devisenhandel. Die nigerianische Zentralbank greift nun zu Kettensägen und Macheten, um den Schwarzmarkt für Währungen zu bekämpfen – indem sie die Bäume einfach fällen lässt. Ohne Bäume kein Schwarzmarkt unter Bäumen, lautet die einfache Formel dahinter.

Komplexes Problem

Das Problem, das es zu lösen gilt, ist komplex. Das Volumen der Schwarzgeldströme, die jährlich durch die nigerianische Wirtschaft fließen, schätzt die Non-Profit-Organisation Global Financial Integrity auf 15,7 Milliarden US-Dollar (14,2 Milliarden Euro). Der größte Teil des Schwarzgeldes fließt unversteuert ins Ausland beziehungsweise zu terroristischen Organisationen oder wird durch Geldwäsche in die legale Wirtschaft überführt – zumeist in ausländischer Währung.

Nigerianische Banken dürfen nun Einzahlungen in ausländischer Währung nur noch akzeptieren, wenn nachgewiesen werden kann, dass das Geld nicht illegal erwirtschaftet wurde. Naira dürfen von Banken nur dann in ausländische Währung eingetauscht werden, wenn diese einen "berechtigten" Grund dafür sehen – etwa bei einer bevorstehenden Auslandsreise. Seit einer Woche dürfen die Inhaber nigerianischer Bankkonten maximal 60.000 Naira, umgerechnet 270 Euro, pro Tag abheben.

Wie die Sache ausgeht, ist noch offen. Denn die Einschränkungen haben Devisen knapp gemacht und den Schwarzmarkt erst recht befördert. Kritiker befürchten, dass die reduzierte Liquidität das Wachstum hemmen und Investoren vertreiben wird. (Aloysius Widmann, 18.8.2015)

  • Der nigerianische Naira leidet unter dem Ölpreisverfall.
    foto: reuters/sotunde

    Der nigerianische Naira leidet unter dem Ölpreisverfall.

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