NS-Raubkunst: Provenienzforschung als universitäre Disziplin

17. August 2015, 16:49
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Experten schmieden Pläne für Professuren und Weiterbildungen. Auch kleine Museen und Bibliotheken sollen profitieren

Magdeburg – Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste will die Lehre und Forschung zu NS-Raubkunst an Universitäten stärken. "Es ist notwendig, eine systematische Ausbildung zu entwickeln. Das bedeutet, dass Provenienzforschung in das universitäre Kunstgeschichtsstudium fest integriert werden muss", sagte der ehrenamtliche Vorstand der Stiftung, Uwe Schneede, der dpa. Es werde derzeit ein Programm entwickelt, denn "bisher sind Provenienzforscher Autodidakten."

Nötig seien spezifisches geschichtliches, juristisches und wirtschaftsgeschichtliches Wissen, um die Geschichte eines Werkes und der Opfer rekonstruieren zu können. "Solche Professuren werden auch Grundlagenforschung betreiben können und müssen", sagte der frühere Direktor der Hamburger Kunsthalle. In den Museen werde mit Blick auf die eigenen Objekte geforscht. Dabei spiele die Geschichte bestimmter Sammlungen, Kunsthandlungen oder bestimmter Nazi-Einrichtungen oder Museumsdirektoren keine Rolle. "Da ist noch ungeheuer viel zu erforschen, was dann den Museen wieder helfen wird in ihren Einzelfällen", sagte Schneede. Ideal wäre es aus seiner Sicht, wenn an drei unterschiedlichen Universitäten Professuren eingerichtet würden.

Der Fall Gurlitt und seine Folgen

Grundsätzlich sieht Stiftungsvorstand Schneede die Forschung auf einem guten Weg. "Die Bereitschaft, Provenienzforschung zu betreiben, ist stark gewachsen. Durch den Gurlitt-Fall ist natürlich das Bewusstsein für die Notwendigkeit noch einmal gestiegen." Die großen und mittleren Einrichtungen seien schon gut dabei.

Das in Magdeburg ansässige Zentrum Kulturgutverluste soll vor allem öffentliche Einrichtungen bei der Suche nach NS-Raubkunst unterstützen. Sie soll Kooperationen initiieren und selbst mit Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten. Die Stiftung war zu Beginn dieses Jahres gegründet worden. Träger sind die Bundesregierung, die 16 Bundesländer und die kommunalen Spitzenverbände. (APA, 17.8.2015)

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