Negativzinsen beschäftigen Bankkunden

20. August 2015, 07:00
278 Postings

Nicht nur die Banken schwitzen wegen drohender Zinsgutschriften, auch manche Kunden halten ihre Banken auf Trab

Wien – Die Niedrigzinsphase bereitet den Banken zunehmend Sorgen, weil ein möglicher Negativzins bedeuten würde, dass eine Zinsgutschrift an Kreditnehmer droht. Um dem vorzubeugen, informieren die Institute ihre Kunden laufend durch entsprechende Briefe, dass sie den Sollzinssatz nicht negativ werden lassen, sondern ihn bei null einfrieren wollen. Mit anderen Worten: Auch wenn die Niedrigzinsphase anhalten und sogar weit ins Minus kippen sollte, wollen die Banken den betroffenen Kreditnehmern für die Aufnahme eines Kredits nichts auszahlen.

Zur Frage, ob es für Banken zulässig ist, zumindest den Aufschlag zu verrechnen, hat der Verein für Konsumenteninformation (VKI) bereits eine Klage eingebracht. Das erstinstanzliche Urteil wird im Herbst erwartet, eine höchstgerichtliche Entscheidung könnte frühestens Mitte 2016 vorliegen. Peter Bosek, Retail-Vorstand der Erste Bank, sprach sich jüngst für eine gesetzliche Regelung bei Negativzinsen für Kredite aus.

Neuvergabe von Krediten

Namhafte heimische Großbanken verankern das nun laut einem Insider seit einigen Wochen bei der Neuvergabe von Wohnbaukrediten in ihren Darlehensverträgen ebenso wie bei Konsumkrediten. Diesen Krediten liegt häufig der Dreimonatseuribor (ein wichtiger europäischer Zinssatz) zugrunde, plus Aufschlag – er liegt zwischen 1,5 und zwei Prozent. Das mittlerweile bekannte Problem: Sollte der Dreimonatseuribor einen Minuswert erreichen, wird maximal bis auf null Prozent reduziert. Das heißt, es wird zumindest der vereinbarte Aufschlag beziehungsweise die Marge in voller Höhe verrechnet.

Bei Neukrediten muss das wohl akzeptiert werden – denn bei der generellen Gestaltung einer Zinsklausel einer Bank gibt es wohl wenig Verhandlungsspielraum, heißt es beim VKI. Sollte nur eine Untergrenze, nicht aber eine Obergrenze vorgesehen sein, könnte es sein, dass diese Art von Zinsklausel bedenklich ist. Ob das zulässig ist, will der VKI noch prüfen.

Fremdwährungskredite

Die Banken werden angesichts der für sie denkbar unerfreulichen Situation zuweilen kreativ. So habe eine oberösterreichische Regionalbank – die Zinsvorschreibungen erfolgen dort quartalsweise – beim Umgang mit Negativzinsen bei Frankenkrediten folgenden Zugang gewählt: Ende März – der Libor, ein Interbankenzinssatz, der in der Schweiz häufig als Basis für Kredite herangezogen wird, stand bei minus 0,75 Prozent, auch in diesen Fällen gab es Kundenaufschläge von 1,5 Prozent – wurde der Minuszinssatz ignoriert. Als Grundlage für die beiden letzten Quartalsvorschreibungen wurde der Aufschlag von 1,5 Prozent herangezogen. Einigen Kunden fiel das auf. Jene, die reklamierten, bekamen die zu viel abgebuchten Zinsen zurückerstattet. "Das ging sehr prompt", sagt ein Insider. Alle anderen, die nicht wissen oder sich etwa nicht getrauen zu reklamieren, schauen durch die Finger.

Der VKI rät in Fällen, in denen Konsumenten von ihrer Bank über Vertragsänderungen informiert werden, sicherheitshalber folgendermaßen zu antworten: "Ich lehne Ihre Rechtsansicht in Sachen Negativzinsen in Bezug auf die Zinsgleitklausel meines Kredites ab, widerspreche diesbezüglichen Vertragsänderungen und verweise auf die Stellungnahme des VKI und die laufenden Musterverfahren." (rebu, 20.8.2015)

  • Die Niedrigzinsen stellen die Welt in mancher Hinsicht auf den Kopf.
    foto: ap/kappeler

    Die Niedrigzinsen stellen die Welt in mancher Hinsicht auf den Kopf.

Share if you care.