Herbsttrend: Sich richtig aufmascherln

Kolumne19. August 2015, 05:30
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Wie lässt sich der Herbst adäquater begrüßen als mit einer feinen Masche um den Hals? Um die werden wir demnächst sowieso nicht herumkommen. Wetten?

Schon vor einigen Monaten sorgte im Internet eine Frau für Wirbel, die es satt hatte, jeden Morgen ihr Business-Outfit neu zu überdenken. Na, das sind mal wieder Probleme, könnte man nun einwenden. Der Fairness halber aber sei ergänzt: Jene Frau, um die es geht und die Matilda Kahl heißt, arbeitet nicht im Hinterzimmer einer Wiener Magistratsabteilung, wo ihr ausschließlich die eigene Stofftiersammlung beim Arbeiten zuschaut.

Matilda Kahl arbeitet als Artdirektorin bei einer bekannten New Yorker Werbeagentur namens Saatchi & Saatchi. Seite an Seite mit jeder Menge männlicher Kollegen, denen sich das Problem mit der Arbeitsklamotte erst gar nicht stellt. Also entschloss sich Matilda Kahl vor drei Jahren kurzerhand zu einer modernen Arbeitsuniform: die besteht aus einer weißen Seidenbluse und einer schmalen schwarzen Hose. 15 Blusen und eine Handvoll Hosen hat sie sich damals für ihren Arbeitsalltag angeschafft. Und als Sahnehäubchen? Trägt Kahl den Bedürfnissen der Kreativbranche Rechnung, indem sie ein schmales schwarzes Lederband um den Hals schlingt und vorne über der Bluse zu einer Schleife bindet.

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Ein von Matilda Kahl (@lilltrill) gepostetes Foto am

Eine Befreiung

Im Frühjahr dieses Jahres schrieb die Artdirektorin nun also eine Kolumne in "Harper's Bazaar" über ihr beschleiftes Business-Outfit. Und darüber, dass ihre Entscheidung einer Befreiung gleiche. Die kleine Geschichte um das Ledermascherl machte dann auch schnell die Runde. Das ist kein Zufall. Die Modebranche ist nämlich gerade ganz verrückt nach Schleifen, die locker über der Bluse oder dem Shirt hängen. Der neue Designer von Gucci beispielsweise legte in seinem Debüt jede Menge Mascherln um die Modelhälse. Wohlgemerkt: um weibliche wie männliche. Bei Chanel und Rochas: dasselbe Spiel.

foto: reuters/fuentes
Masche auf den Laufstegen von Chanel, ...
foto: apa/epa/bazzi
... Gucci und ...
foto: apa/epa/langsdon
... Rochas.

Erkenntnis nach dem Sichten der Laufsteg-Shows: Mascherln, die taugen nicht nur im Büro was. Sondern eigentlich überall. Sie läuten außerdem schon einmal den Herbst ein. Und bewahren Outfits nebenbei mit wenig Aufwand vor dem Eindruck des Beliebigen und Durchschnittlichen.

Vielleicht läutet die Schleife, die kleine Schwester der exaltierten Rüsche, ja überhaupt das Ende der vielbeschworenen Normcore-Bewegung, jener bewusst lässigen Allerwelts-Kombination aus T-Shirt, Jeans und Sneaker, ein. Die Zeichen stehen gut. Die Agentur Saatchi & Saatchi jedenfalls ist damals, nachdem Matilda Kahls Kolumne modisch für solchen Wirbel gesorgt hat, werbewirksam für ein Gruppenporträt stillgestanden. Um die Hälse der Kollegen und Kolleginnen: schwarze Lederschleifen. Das darf gut und gern als Ansage verstanden werden. In vielerlei Hinsicht. (Anne Feldkamp, 19.8.2015)

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