Alte Gewohnheiten

Einserkastl16. August 2015, 18:36
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Ukraines willkürliche Zensur von Kunst widerspricht den üblichen Standards westlicher Demokratie

Der Propagandakrieg zwischen der Ukraine und Russland ist einen unerfreulichen Schritt weiter gegangen. Nachdem zuvor schon Russland ukrainische Kunst zensiert hatte, schlug die Ukraine nun zurück. Unter anderem wurde auch Depardieu auf die schwarze Liste unerwünschter Künstler gesetzt, ihm folgten andere.

Man kann nicht behaupten, dass Depardieu sich in letzter Zeit mit besonders klugen Aktionen bemerkbar gemacht hätte: Aber so schlecht waren seine Filme nun auch wieder nicht – nüchtern betrachtet. Nun dehnt die ukrainische Regierung den Boykott weiter aus. Diesmal auf Werke von 38 Schriftstellern, die eine klare prorussische, nationalistische oder sogar rechtsextreme Haltung eingenommen hatten – mit dem Vorwurf, sie alle würden die Ukraine erniedrigen. Majestätsbeleidigung sollte bei einem angehenden EU-Mitglied kein Thema werden.

Damit ist ein Tiefpunkt erreicht, bei dem auch die Ukraine sich unangenehme Fragen gefallen lassen muss. Eine willkürliche Zensur von Kunst, die Beschlagnahmung von Büchern riecht verdächtig nach dunkler Vergangenheit. Die Ausrede, dass auch Russland auf Zensur setzt, greift zu kurz. Russland ist kein Land, das an die EU andocken möchte, mit der Begründung, eine westliche Demokratie nach üblichen Standards leben zu wollen. Ein Zurückfallen in bewährte sowjetische Gewohnheiten ist insofern keine besonders überzeugend demokratische Optik. (Julya Rabinowich, 16.8.2015)

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    foto: reuters/eric gaillard
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