Mourinho, die Ärztin und das Spitzenspiel

14. August 2015, 16:44
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Der Konflikt zwischen dem Chelsea-Coach und der Teamärztin ist auch vor dem Schlager gegen ManCity weiter Thema – Österreicherduell bei Tottenham vs. Stoke möglich

London – José Mourinho hat es schwer. Mit so ziemlich jedem großen Fußballlehrer seiner Generation hat sich der Exzentriker des FC Chelsea angelegt – den des nächsten Gegners Manchester City (Sonntag, 17.00) nannte er beim falschen Namen. Der Portugiese scheut aber auch nicht vor Konflikten in den eigenen Reihen zurück. Das neueste Opfer des Teammanagers ist Eva Carneiro, sie ist Ärztin bei den Blues und wollte eigentlich nur helfen.

Ärztin von der Bank verbannt

Weil die 41-Jährige das am vergangenen Wochenende während des für den Titelverteidiger höchst enttäuschenden 2:2 gegen Swansea City aber laut Mourinho zu "impulsiv und naiv" getan hat, darf Carneiro zumindest vorläufig nicht mehr auf der Bank des Premier-League-Vereins Platz nehmen. Auf der Insel löste das einen Sturm der Entrüstung aus: "Say sorry José", forderte das Boulevardblatt The Sun. Die erste Gelegenheit nahm der 52-Jährige am Freitag nur sehr halbherzig wahr.

"Wir haben eine fantastische medizinische Abteilung, die ich in den vergangenen Jahren sehr oft gelobt habe", sagte Mourinho während der Pressekonferenz vor dem City-Spiel. Er bestätigte aber, dass Carneiro und Physiotherapeut Jon Fearn am Sonntag nicht dabei sein werden. "Das heißt aber nicht, dass das in der Zukunft immer so sein wird", sagte der Portugiese, der nur eine Nachfrage zu den Thema zuließ. "Das ist meine Entscheidung. Die Bank fällt in meinen Verantwortungsbereich."

Einsatz

Carneiro und Fearn waren in der dritten Minute der Nachspielzeit auf das Feld geeilt, um den zu Boden gegangenen Eden Hazard zu verarzten. Anschließend musste der Belgier den Regeln entsprechend den Rasen verlassen, weshalb Chelsea für kurze Zeit nur mit acht Feldspielern auskommen musste. Denn Torwart Thibaut Courtois hatte die Rote Karte gesehen.

"Ob Du Zeugwart, Arzt oder Sekretär bist: Wenn Du auf der Bank bist, musst Du das Spiel verstehen", hatte Mourinho im Anschluss gesagt: "Ich war mir sicher, dass Eden kein ernsthaftes Problem hatte. Meine medizinische Abteilung hat mich mit acht fitten Spielern vor einem Konter alleine gelassen. Wir haben uns Sorgen gemacht." Die Fernsehbilder lassen zumindest vermuten, dass Mourinho das in weniger netten Worten auch Richtung Carneiro und Fearn gesagt hat.

Ärzte-Verweis auf Hilfspflicht

"Die Entscheidung von Mourinho ist extremst ungerecht", beklagte die Vereinigung der Premier-League-Ärzte PLDG in einer offiziellen Mitteilung: "Es ist eine große Sorge, dass Carneiro eine Veränderung ihrer Rolle hinnehmen muss, nur weil sie ihre Aufgabe ernst nimmt und gut ausübt. Nicht auf das Spielfeld zu laufen, obwohl der Schiedsrichter sogar schon das Signal dazu gegeben hatte, wäre eine Verletzung der Hilfspflicht gewesen, die von jedem Arzt gegenüber einem Patienten besteht".

Dass sich Mourinho aber um Kritik von außen wenig schert, ist bekannt. Als sich City-Coach Manuel Pellegrini in der Sommerpause zu Mourinho äußerte, erwiderte dieser nur: "Wenn ein Trainer in den Ferien ist und immer noch an mich denkt, habe ich dem nichts hinzuzufügen. In meinen Ferien gibt es kein einziges Interview. Wenn das andere anders machen, ist das deren Problem."

Pellegrini, Pellegrino

Wie wenig Mourinho an Pellegrini denkt, war schon in der vergangenen Saison zu beobachten. Zweimal nannte der Chelsea-Teammanager seinen Kollegen "Pellegrino". Natürlich nicht "aus mangelndem Respekt" wie Mourinho dann versicherte: "Ich hatte mal einen Spieler, der Mauricio Pellegrino heißt. Ich mache immer diesen Fehler."

Ob Mourinho auch am Sonntag wieder diesen Fehler macht, wird sich weisen. Im Duell mit dem Vizemeister müssen die Londoner auf ihren wegen einer Roten Karte gesperrten Tormann Thibaut Courtois verzichten, die Gastgeber gehen nach dem 3:0-Sieg zum Auftakt gegen West Bromwich Albion mit viel Selbstvertrauen in die Begegnung.

Kevin de Bruyne im City-Visier

City will sich zudem laut englischen Medienberichten in der Offensive mit dem belgischen Spielmacher Kevin de Bruyne vom VfL Wolfsburg verstärken. "Er ist ein phänomenaler Spieler", meinte der belgische Kapitän Vincent Kompany. Während die "Citizens" nach ihrem souveränen Erfolg beim Auftakt an der Tabellenspitze stehen, gibt es bei Chelsea nach dem Remis noch Verbesserungspotenzial. Die Londoner wollen für die Innenverteidigung den 21-jährigen englischen Teamspieler John Stones von Everton verpflichten. "Der Spieler ist aber nicht zu verkaufen", betonte Everton-Trainer Roberto Martinez.

Wimmer vs. Arnautovic?

Sebastian Prödl spielte beim 2:2 von Aufsteiger Watford bei Everton durch und meinte danach auf Facebook: "Ich bin richtig glücklich ein Teil der Premier League zu sein!" In der zweiten Runde gastiert West Bromwich bei den "Hornets". Ebenfalls am Samstag könnte es bei Tottenham gegen Stoke zu einem Österreicher-Duell kommen. Bei den Londonern saß Neuzugang Kevin Wimmer zum Saisonauftakt bei Manchester United (0:1) aber nur auf der Bank, Marko Arnautovic war bei der 0:1-Heimniederlage von Stoke gegen Liverpool wegen einer Oberschenkelblessur nicht im Kader.

Fuchs gegen West Ham

Christian Fuchs ist in Runde zwei nach dem 4:2-Sieg seines Clubs Leicester City gegen Sunderland, wo er in Minute 77 eingewechselt wurde, bei West Ham zu Gast. Die Londoner düpierten zum Saisonstart Titelmitfavorit Arsenal und gewannen bei den "Gunners" mit 2:0. (sid/APA, 14.8.2015)

  • Vergangenes Wochenende: Jose Mourinho war nach dem seiner Meinung nach unnötigen Einsatz der medizinischen Abteilung sichtlich verärgert.
    foto: reuters / eddie keogh

    Vergangenes Wochenende: Jose Mourinho war nach dem seiner Meinung nach unnötigen Einsatz der medizinischen Abteilung sichtlich verärgert.

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