Adria-Grenzkonflikt: Kroatien sieht kein Problem

14. August 2015, 15:12
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Präsidentin Grabar Kitarovic: "Slowenen können doch über kroatische Gewässer zum offenen Meer" – Zugang zu internationalen Gewässern ist aber Zankapfel im Konflikt

Zagreb – Seit deren Unabhängigkeit 1991 streiten Kroatien und Slowenien über den Verlauf der Grenze in der Nordadria. Zur Lösung schalteten sie sogar ein internationales Schiedsgericht ein, das wegen eines Skandals nun zu scheitern droht. Aus Sicht der kroatischen Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic gibt es allerdings zwischen den Nachbarländern "real gesehen" kein Problem.

"Die Slowenen und ihre Schiffe können doch problemlos in die Bucht von Savudrija bzw. Bucht von Piran, wie sie (die Slowenen, Anm.) es nennen, kommen. Sie können durch kroatische Gewässer zum offenen Meer gelangen, ohne dass sie gestoppt oder kontrolliert werden", argumentierte die Präsidentin in einem Interview mit der Tageszeitung "Vecernji list" am Freitag.

Slowenien pocht auf eigenen Zugang

Die Aussage der Präsidentin dürfte wenig geeignet sein, den Konflikt zu entschärfen. Denn ausgerechnet der Zugang zu den internationalen Gewässern in der Oberen Adria ist nämlich der größte Zankapfel in dem jahrzehntelangen Konflikt. Slowenien will nicht vom Wohlwollen des südlichen Nachbarlandes abhängig sein und pocht auf einen eigenen Zugang zu internationalen Gewässern.

Vom Grenzverlauf in der Bucht hängt ab, ob Slowenien den Zugang beanspruchen kann oder nicht. Kroatien will die Bucht in der Mitte teilen, die Grenzlinie würde dann in nordwestlicher Richtung verlaufen. Damit wäre das slowenische Territorialgewässer eine "Badewanne" ohne Zugang zum südwestlich der Bucht beginnenden offenen Meer. Slowenien beansprucht die ganze Bucht von Piran für sich.

Der Zugang zu internationalen Gewässern ist auch ein Kernpunkt im internationalen Schiedsverfahren um die slowenisch-kroatische Grenze, das nun zu scheitern droht. Im Mandat des Schiedsgerichts wird der slowenische Zugang zu internationalen Gewässern explizit erwähnt. Dies bedeutet, dass Ljubljana – egal wie der Schiedsspruch zum Grenzverlauf ausfallen würde – zumindest einen Korridor zum offenen Meer erhalten würde.

Skandal um Schiedsgerichtsverfahren

Kroatien hat sich infolge des Skandals um Indiskretionen des slowenischen Schiedsrichters und angebliche Drückausübung auf das Tribunal aus dem Schiedsverfahren zurückgezogen. Auch Grabar-Kitarovic sieht das Verfahren als "irreversibel kompromittiert" an.

Man könne nicht wissen, inwiefern die Dokumente und alles was Slowenien über seinen Schiedsrichter einbrachte, das Schiedsgericht beeinflusst haben könnten, sagte sie. Diesem Gericht könne niemand mehr glauben, begründete sie. "Das Verfahren hat seine Glaubwürdigkeit verloren und kann nicht mehr fortgesetzt werden", so die Präsidentin. Sie wünsche sich aber, dass die Vorfälle rund um das Schiedsverfahren die bilateralen Beziehungen der Nachbarländer nicht zerrütten werde. (APA, 14.8.2015)

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