Wie Wohnen die Mobilität beeinflusst

14. August 2015, 15:39
148 Postings

VCÖ will Entwicklung vom Energiesparhaus zum "Verkehrssparhaus"

"Lage, Lage, Lage" sind bekanntlich jene drei Dinge, die bei einer Immobilie am wichtigsten sind. Das beweist auch eine diese Woche veröffentlichte Studie "Wohnbau, Wohnumfeld und Siedlungsentwicklung" des Verkehrsclub Österreich (VCÖ): Wer sich für ein Leben in der Peripherie entscheidet, lebt zwar vielleicht auf den ersten Blick günstiger als jemand, der sich im Zentrum niederlässt.

Ein vierköpfiger Haushalt, der ohne Auto auskommt, hat aber um rund 80 Prozent geringere Wohn- und Mobilitätskosten, als ein gleichwertiger Haushalt mit zwei Autos, wie der VCÖ vorrechnet. Auf vier Jahrzehnte gerechnet sind Wohn- plus Mobilitätsausgaben einer Eigentumswohnung in Salzburg-Stadt daher um 30 Prozent geringer als bei einem 30 Kilometer entfernten Stadthaus.

Der VCÖ fordert daher eine Reform der Wohnbauförderung: Standortwahl, verdichtete Bauweise und ergänzende Mobilitätsangebote müssten Vorrang haben, auch Sanierung und Umnutzung innerörtlicher Brachflächen werde immer wichtiger. Der Schwerpunkt der Stadtentwicklung sollte bei innerörtlicher Entwicklung liegen, beispielsweise durch eine Förderung von Abrisskosten. Denn besonders Streusiedlungen schneiden unter den Aspekten Energie-, Umwelt- und Kostenbilanz schlecht ab.

Verkehrsrelevante Kriterien

Während bei der Berechnung der Wohnbau-Förderhöhe klimarelevante Energieeffizienzfaktoren und ökologische Mindestkriterien mittlerweile Standard seien, würden raumplanerische und verkehrsrelevante Kriterien in den meisten Wohnbaurichtlinien fehlen. Das würde die Zersiedelung und Auto-Orientierung in Österreich begünstigen. Das "Energiesparhaus" müsse nun zu einem "Verkehrssparhaus" weiterentwickelt werden, fordert der VCÖ.

Das Bevölkerungswachstum in den Städten und der Trend zu weniger Pkw pro Haushalten würden die Grundlage für ein nachhaltiges Verkehrssystem schaffen – am Stadtrand seien aber neben dem öffentlichen Verkehr auch ergänzende Mobilitätsangebote wie Car- und Bikesharing gefragt, was beispielsweise in der Seestadt Aspern oder in Wohnanlagen am Wiener Hauptbahnhof schon umgesetzt wird.

Diese Mobilitätskonzepte sollen die Pkw-Stellplatzverpflichtung im Wohnbau ersetzen, fordert der VCÖ: Im Schnitt kostet die Errichtung einer Wohnung in Österreich derzeit etwa 2.100 Euro pro Quadratmeter Nutzfläche. Die Wirtschaftskammer Tirol sieht bei der Stellplatzverpflichtung mit 50 bis 250 Euro pro Quadratmeter das größte Sparpotenzial. Auch die Verankerung einer Mindestzahl von Fahrrad-Abstellplätzen in allen Bauordnungen wird vom VCÖ verlangt. (red, 14.8.2015)

  • Wer nicht auf sein Auto angewiesen ist, spart Kosten.
    foto: dpa - bildfunk

    Wer nicht auf sein Auto angewiesen ist, spart Kosten.

Share if you care.