Friedrich Ani: Tapetentüren und Verliese

18. August 2015, 11:44
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Der Krimi "Der namenlose Tag" ist mit einer tiefschwarzen Druckerpatrone geschrieben.

Wer sich mit Friedrich Ani einlässt, braucht ein stabiles Seelengebäude. Sein neuer Roman ist wieder mit einer tiefschwarzen Druckerpatrone geschrieben. Die Figuren haben gewechselt, die Grundstimmung nicht. Die Hauptfigur, ein Kriminalhauptkommissar Jakob Franck, ist seit kurzem in Pension, kann sich aber nicht in seinen neuen Lebensrhythmus einfügen. Da kommt ein Besucher zu ihm und bittet um Hilfe. Franck erinnert sich an den Fall. Ein siebzehnjähriges Mädchen hatte sich vor 20 Jahren in einem Park erhängt. Es konnte nie ein Motiv gefunden werden.

Nun steht dieser zerstörte Vater vor Franck – die Mutter hatte sich ein Jahr nach dem rätselhaften Tod der Tochter ebenfalls erhängt – und stellt Vermutungen an. Ani befasst sich wie immer intensiv mit den Gefühlen und Ängsten seiner Protagonisten. Franck, der Einsiedler, wird schließlich die "Tapetentüren einer Familie und dahinter Verliese" finden. Tabor Süden, der besessene Sucher nach Vermissten, hat in Franck einen würdigen Nachfolger gefunden. (Ingeborg Sperl, Album, 15.8.2015)

Friedrich Ani, "Der namenlose Tag". € 20,60 / 299 Seiten. Suhrkamp, Berlin 2015

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