Mieten steigen überproportional

14. August 2015, 17:24
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Private Nettomieten stiegen in vier Jahren um 20,9 Prozent – Je länger der Mietvertrag läuft, desto niedriger ist die Miete

Wie die aktuellen Zahlen der Statistik Austria zur Inflation in Österreich zeigen, waren die Mietkosten neuerlich Preistreiber: Sie lagen im Juli 2015 um 4,8 Prozent über dem Wert von Juli 2014. Die Instandhaltung von Wohnungen kostete durchschnittlich um 1,3 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die allgemeine Inflationsrate legte in diesem Zeitraum um 1,2 Prozent zu.

Nettomieten um ein Fünftel teurer

Wie eine weitere Auswertung der Statistik Austria vom vergangenen Juni zeigt, verteuerten sich die Mieten inklusive Betriebskosten in den Jahren 2010 bis 2014 im Schnitt über die einzelnen Kategorien betrachtet um 15,1 Prozent. Den höchsten Anstieg gab es mit 18 Prozent bei privaten Mietwohnungen (von 6,80 auf 8 Euro pro Quadratmeter). Gemeindewohnungen wurden in diesem Zeitraum lediglich um 13,3 Prozent teurer, Genossenschaftswohnungen um 11,2 Prozent.

Die Mieten ohne Betriebskosten seien in diesem Zeitraum im privaten Sektor sogar um 20,9 Prozent gestiegen, heißt es weiters. Zum Vergleich: Bei Gemeindewohnungen waren es 13,4 Prozent, bei Genossenschaftswohnungen 11,5 Prozent.

Wichtiger Faktor Mietvertragsdauer

Dabei hängt die Höhe der bezahlten Wohnungsmiete aber nicht nur vom Mietsegment ab, sondern auch davon, wie lange der jeweilige Mietvertrag schon läuft. Bei Neuverträgen (zu denen die Statistik Austria alle Mietverhältnisse zählt, die seit maximal zwei Jahren bestehen) werden im Durchschnitt 7,80 Euro pro Quadratmeter und Monat bezahlt. Haushalte, die langfristige Mietverträge mit mehr als 30-jähriger Vertragsdauer haben, wenden im Durchschnitt nur 4,60 Euro inklusive Betriebskosten auf. Dies, obwohl die Mieten in Österreich bekanntlich regelmäßig an die Teuerung angepasst werden können.

Interessanterweise sind in dieser Statistik die seit mehr als 30 Jahren bestehenden privaten Mietverträge sogar günstiger als ebenso lange bestehende Mietverhältnisse in Gemeinde- und Genossenschaftswohnungen. Konkret beginnt diese Kurve ab einer Laufzeit von 20 Jahren zu kippen: In kürzer bestehenden Mietverhältnissen wohnt man im geförderten Bereich günstiger, bei längeren Zeiträumen gewinnt der private Bereich.

Privater Sektor bei langer Laufzeit günstiger

So beträgt die Nettomiete bei einem seit 30 Jahren bestehenden Mietvertrag für eine Gemeindewohnung beispielsweise 2,70 Euro. Bei einer Genossenschaftswohnung sind es 3,10 Euro, im privaten Sektor nur 2,50 Euro.

Die Statistik Austria erhob im Juni übrigens auch, wieviele heimische Haushalte Zahlungsschwierigkeiten bei Miete oder Wohnkredit haben. Demnach sind es rund 200.000 Haushalte, die die Kreditrate bzw. die Miete samt Betriebskosten nur schwer aufbringen können.

Die Arbeiterkammer forderte angesichts der neuen Inflationszahlen einmal mehr die von der Regierung schon länger versprochene Mietrechtsreform ein. "Betrachtet man die aktuellen Mieten, zeigt sich deutlich, dass das derzeitige Richtwertsystem als Mietzinsbegrenzung bei den privaten Mieten nicht greift. Eine Mietpreisbremse sowie eine Steigerung der geförderten Neubautätigkeit ist dringend nötig", so Präsident Rudi Kaske am Donnerstag in einer Aussendung. (mapu, 14.8.2015)

  • Trotz regelmäßiger Inflationsanpassungen hängt die Höhe der Wohnungsmiete wesentlich davon ab, seit wann das Mietverhältnis besteht.
    foto: apa/fohringer

    Trotz regelmäßiger Inflationsanpassungen hängt die Höhe der Wohnungsmiete wesentlich davon ab, seit wann das Mietverhältnis besteht.

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