Verivox wehrt sich gegen Marktmissbrauchsvorwürfe

14. August 2015, 13:48
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Online-Vergleichsportal setzt laut Bericht Stromanbieter unter Druck

Das deutsche Online-Vergleichsportal Verivox wird einem Bericht zufolge mit dem Vorwurf konfrontiert, seine Marktmacht im Bereich Energie auszunutzen. Hintergrund seien neue Verträge zu deutlich schlechteren Konditionen, die Verivox bei Energieanbietern durchsetzen wolle, berichtete das "Handelsblatt" am Freitag.

So warf der Berliner Billiganbieter Lekker Energie dem Blatt zufolge Verivox vor, seine "überragende Stellung" im Onlinevertrieb auszunutzen. Das Vergleichsportal wehrt sich gegen die Anschuldigungen.

Millionen Verbraucher suchen jährlich über Verivox nach günstigen Stromanbietern. Viele von ihnen schließen Verträge dann über das Portal ab, wofür Verivox von den Anbietern Provision erhält. Insgesamt rund 140 Stromanbieter kooperieren nach Angaben von Verivox mit dem Portal – darunter viele Billiganbieter, aber auch Stadtwerke. Gerade für Billiganbieter, die auf andere Vertriebswege verzichten, sind Portale wie Verivox enorm wichtig.

Laut "Handelsblatt" hat Verivox nun die Verträge vieler Kunden gekündigt und bietet den Unternehmen neue Vereinbarungen mit deutlich gestiegenen Provisionen und neuen Geschäftsklauseln an. Demnach verlange das Vergleichsportal künftig etwa auch dann Provisionen, wenn ein Kunde einen Vertrag nicht über Verviox, sondern direkt auf der Internetseite des Anbieters abgeschlossen hat, sich aber in den vier Wochen vor dem Vertragsabschluss auf der Verivox-Seite über das Angebot informiert hatte. Verivox wolle dies künftig über sogenannte Cookies, die Angaben über das Surfverhalten enthalten, kontrollieren.

Kein von der Nachrichtenagentur AFP kontaktierter Energieanbieter wollte sich dazu äußern, ob Verivox ihm einen neuen Vertrag vorgelegt habe. Das Portal selbst erklärte, es könne die Vorwürfe nicht nachvollziehen. Es handle sich dabei um "ganz normale Marktmechanismen". Zum Teil seien Verträge mit Stromanbietern seit 2005 nicht mehr erhöht worden. Auch der Einsatz von Cookies, den Verivox noch nicht nutze, sei in der Branche "üblich", teilte das Vergleichsportal mit.

Insgesamt hat sich der Markt für Unternehmen im Internet in den vergangenen Jahren verteuert: Für alle Firmen, die im Internet über die Suchmaschine Google gefunden werden wollen – zum Beispiel Vergleichsportale -, haben sich die Kosten dafür in den letzten Jahren erhöht. Google macht einen Großteil seines Geschäftes mit dem Verkauf von Suchergebnissen, die für Internetnutzer prominent sichtbar vor nicht bezahlten Suchergebnissen gelistet werden. (APA, 14.8. 2015)

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