Der Bote bringt das Internet: Kubas cleveres Offline-Filesharing

14. August 2015, 17:54
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Trotz Zensur und kaum Möglichkeiten, das Internet zu nutzen kommen Kubaner an populäre Inhalte

Nur langsam lockert Kuba den Zugang zum Internet für seine Bewohner. Wer einen Internetanschluss bekommt, ist streng geregelt, die Kosten sind hoch. Schätzungen zufolge sollen weniger als fünf Prozent der Kubaner Zugang zur Online-Welt haben. Für Privatnutzer gibt es einige Internet-Cafes, im Sommer dieses Jahres hat die staatliche Kommunikationsfirma Etecsa mit der Errichtung öffentlicher WLAN-Hotspots begonnen. Die Kubaner haben jedoch einen Weg gefunden, wie sie dennoch an die populärsten Inhalte aus dem Web kommen. Über das "Paquete Semanal" – das "Wöchentliche Paket."

Datenträger mit aktuellen Inhalten

Wo es keinen Zugang zum Internet gibt, bringt ein Bote einmal in der Woche einen 1 TB großen Datenträger mit Musik, Filmen, Fernsehserien, Handy-Apps und Magazinen, berichtet die "BBC". Die Nutzer können zu Hause selbst entscheiden, was sie herunterladen möchten – für etwa 1 bis 2 US-Dollar. Laut nacla.org existiert das Paquete etwa seit 2014 und beinhaltet unter anderem auch populäre Serien wie "Breaking Bad" oder "Game of Thrones".

Legal ist das Ganze natürlich nicht – weder unter kubanischen noch internationalen Gesetzen. Denn urheberrechtlich geschützte Inhalte dürfen nicht einfach kopiert und weiterverkauft werden. Wer die Inhalte herunterlädt und zusammenstellt, ist nicht bekannt.

Eigene Anzeigen

Die Popularität des "El Paquete Semanal" hat dazu geführt, dass sich ein eigener Geschäftszweig darum gebildet hat. Es gibt eine Werbefirma, die spezielle Anzeigen für das Offline-Internet-Paket schaltet, das Kulturmagazin Vistar publiziert eine eigene PDF-Version dafür und für Journalisten eröffnet es die Möglichkeit abseits der staatlich kontrollierten Medien zu schreiben. Wenn Kuba die Beschränkungen des Internetzugangs aufhebt, wird das "Paquete" obsolet. Bis dahin haben die Bewohner aber eine clevere und einfache Methode gefunden, die Zensur zu umgehen. (br, 14.8.2015)

  • Offiziellen Internetzugang haben Kubaner über eigene Internet-Cafes. Die Inhalte werden über nicht offizielle Kanäle aber auch über das "Paquete Semanal" direkt nach Hause geliefert.
    foto: reuters/stringer

    Offiziellen Internetzugang haben Kubaner über eigene Internet-Cafes. Die Inhalte werden über nicht offizielle Kanäle aber auch über das "Paquete Semanal" direkt nach Hause geliefert.

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