Exporte halten deutsche Wirtschaft in Schwung

14. August 2015, 10:16
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Deutschland schlug sich im Frühjahr trotz der Streikwelle besser als Frankreich, das Plus liegt bei 0,4 Prozent

Berlin – Die deutsche Wirtschaft hat im zweiten Quartal dank boomender Exporte etwas an Schwung gewonnen. Das Bruttoinlandsprodukt legte von April bis Juni um 0,4 Prozent zum Vorquartal zu, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag in einer ersten Schätzung mit. Von Reuters befragte Ökonomen hatten im Schnitt allerdings mit 0,5 Prozent gerechnet, nachdem es zu Jahresbeginn 0,3 Prozent waren.

Positive Impulse kamen hauptsächlich vom Außenhandel. "Begünstigt vom schwachen Euro stiegen nach vorläufigen Berechnungen die Exporte sehr viel stärker als die Importe", erklärten die Statistiker. "Auch die privaten Konsumausgaben und die Konsumausgaben des Staates entwickelten sich weiter positiv." Wegen Rekordbeschäftigung, steigender Löhne und niedriger Inflation sitzt das Geld bei den Verbrauchern locker. Gebremst wurde das Wachstum dagegen durch schwache Bruttoinvestitionen. "Insbesondere in Bauten wurde weniger investiert als im ersten Quartal", hieß es. Wegen des milden Winters wurden viele Bauarbeiten schon zu Jahresbeginn abgeschlossen.

Wachstum auf breiter Basis

"Das Wachstum ist nicht gerade rasend, aber es steht auf breiter Basis", sagte Nordea-Ökonom Holger Sandte. "Solange die Konjunktur in Europa lahmt und das Wachstum in den Schwellenländern nachlässt, ist nicht mehr drin." Das sieht Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe ähnlich. "Der Aufschwung in Deutschland ist weiter intakt, und er wird sich weiter fortsetzen", sagte er. "Die aktuelle Dynamik ist jetzt allerdings das Höchste der Gefühle." Grund dafür sei die lahmende Weltwirtschaft. Die Bundesregierung erwartet für dieses und nächstes Jahr ein Wachstum von jeweils 1,8 Prozent. 2014 waren es 1,6 Prozent.

Deutschland schlug sich im Frühjahr trotz der Streikwelle mit Arbeitskämpfen bei Unternehmen wie der Deutschen Bahn, der Deutschen Post, der Lufthansa sowie in Kitas besser als Frankreich. Dort stagnierte das Wachstum im Frühjahr überraschend, nachdem es zu Jahresbeginn noch ein Plus von 0,7 Prozent gegeben hatte. Griechenland meldete dagegen ein kräftiges Wachstum von 0,8 Prozent, wozu auch eine gute Tourismussaison beigetragen haben dürfte.

Deutschland schlug sich verglichen mit den anderen beiden großen Volkswirtschaften der Währungsunion gut. In Frankreich stagnierte die Wirtschaftsleistung, da die Verbraucher weniger konsumierten und die Unternehmen nur vorsichtig investieren. In Italien schwächte sich das Wachstum auf 0,2 Prozent ab, da die Industrie stagnierte. Ausgerechnet das krisengeplagte Griechenland hängte die großen Drei ab: Es schaffte ein Plus von 0,8 Prozent, wozu wohl eine starke Urlaubssaison beitrug. In Spanien legte das Bruttoinlandsprodukt sogar um 1,0 Prozent zu.

Gedämpfte Aussichten

Die Aussichten bleiben gedämpft. "Die Aufwärtsbewegung ist schleppend, denn in wichtigen Ländern wie Frankreich und Italien bremst die Korrektur frühere Übertreibungen weiterhin", sagte Commerzbank-Analyst Ralph Solveen. "Da sich hieran vorerst kaum etwas ändern wird, dürfte der Knoten bei der Konjunktur im Euro-Raum auch in den kommenden Quartalen nicht platzen." Die EU-Kommission erwartet 2015 ein Wachstum von 1,5 Prozent. Für Deutschland soll es zu 1,9 Prozent reichen. (Reuters, 14.8.2015)

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