Ärztekammer zu Kur-Debatte: "Spardiskussion ist der falsche Ansatz"

14. August 2015, 07:37
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Ärztekammer-Präsident Artur Wechselberger für Stärkung der Kur – Kritik an McDonald-Vorstoß

Wien – Für Ärztekammer-Präsident Artur Wechselberger geht die von Hauptverbands-Chef Peter McDonald ausgelöste Debatte über eine Weiterentwicklung der Kur in die falsche Richtung. "Die Spardiskussion ist der falsche Ansatz", sagte Wechselberger im Gespräch mit der APA. Der Ärztekammer-Präsident fordert stattdessen eine Stärkung der Kur.

Wechselberger wandte sich entschieden gegen Pauschalverdächtigungen, wonach die Kur als Urlaubsersatz diene – dieses Bild würde auf Einzelerfahrungen und Erzählungen beruhen. Das sei unfair all jenen gegenüber, die die Kur gerechtfertigt in Anspruch nehmen und auch den Mitarbeitern in den Kuranstalten gegenüber. Der Ärztekammer-Präsident gestand einzelne Missbrauchsfälle zu, aus seiner eigenen Erfahrung in seiner Praxis könne er aber sagen, dass die Kur bei sehr vielen Patienten gerechtfertigt und dann auch erfolgreich sei. Viele hätten etwa mit dem Rauchen aufgehört oder abgenommen.

Wechselberger: Kur muss gestärkt werden

Für Menschen mit chronischen Leiden, mit psychischen Beeinträchtigungen, mit Übergewicht oder mit Herz-Kreislauf-Problemen seien Vorsorge und Prävention dringend notwendig. Deshalb gehöre die Kur gestärkt, betonte Wechselberger. Zielgerichtet eingesetzt müsse man das Angebot erweitern, für mehr Menschen, die es brauchen.

Der Ärztekammer-Präsident wirft dem Hauptverbands-Chef vor allem zwei Dinge vor: Einerseits stört ihn der Diskussionsstil – da werde bei einzelnen Missbrauchsfällen mit Verallgemeinerungen und Pauschalverdächtigungen gearbeitet. Das sei schon beim Thema E-Card-Missbrauch und Mystery-Shopping so gewesen und sei jetzt bei der Kur wieder so. Und andererseits beginne die Sozialversicherung eine Systemdiskussion mit dem Ziel zu sparen, anstatt die eigenen Aufgaben zu erfüllen. Dabei sei Sparen in der Prävention besonders dramatisch, Österreich gebe in diesem Bereich ohnehin zu wenig Geld aus.

Überprüfung des Kur-Erfolgs

Die Missbrauchsbekämpfung wäre nach Ansicht Wechselbergers jetzt schon auch bei den Kuren eine Aufgabe der Sozialversicherung. Zunächst einmal müssten die Anträge so geprüft werden, dass nur jene eine Kur bewilligt bekommen, die sie auch brauchen. Dann müsse die Sozialversicherung ihre eigenen Kureinrichtungen und ihre Vertragspartner evaluieren. Und schließlich müsse nach einer gewissen Zeit, etwa nach einem halben oder nach einem Jahr, der Kurerfolg überprüft werden, fordert Wechselberger.

Zudem wünscht sich der Ärztekammer-Präsident, dass auch im Wohnumfeld der Patienten verstärkt ambulante Angebote zur Verfügung gestellt werden. Gleichzeitig gibt er aber auch zu bedenken, dass eine Kur mit stationärem Aufenthalt erfolgreicher sein könne, wenn der Patient für eine gewisse Zeit aus seiner familiären und seiner beruflichen Belastung herausgenommen werde. (APA, 14.8.2015)

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