Polens Fußball-Präsident Boniek am Pranger

13. August 2015, 18:39
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Früherer Teamspieler sorgt mit Tweets gegen die Anti-Rassismus-Kampagne "Never Again" für Negativ-Schlagzeilen

Zbigniew Boniek, der Präsident des polnischen Fußballverbandes PZPN, sorgt in Polen und auch über die Grenzen hinaus für Aufregung. Der frühere Teamspieler, der in der 80er-Jahren auch für die AS Roma und Juventus im Mittelfeld agierte, hat mit Tweets gegen die Anti-Rassismus-Kampagne "Never Again" (Nigdy Wiecej) für eine doch heftige Kontroverse in der Republik an der Ostsee gesorgt.

Auslöser war die Bestrafung des polnischen Meisters Lech Posen seitens der UEFA. Anhänger hatten vor dem Champions-League-Qualifikationsspiel beim FK Sarajevo Mitte Juli ein Transparent ("The Piła Legion – the blood of our race") aufgehängt. Die UEFA befand es als rassistisch und sanktionierte daraufhin den Verein mit einem Europacup-Heimspiel vor leerer Kulisse und einer Geldstrafe von 50.000 Euro. Das dürfte dem 59-Jährigen gründlich missfallen haben, denn unmittelbar danach begann er mit den Tweets.

Auf seinem Account, der rund 300.000 Follower hat, fügte er Links zu Artikeln über "Never Again" und ein Bild von Mitglied Jacek Purski ein und beschimpfte selbigen als "Dummkopf und kommunistischen Agenten". Außerdem retweetete er einen Link zu einer Website vom rechten Rand.

Der polnische Verband protestierte gegen die UEFA-Sanktionierung. In einem Statement hieß es, dass man die Null-Toleranz-Politik gegen Rassismus und Nazismus akzeptiere, doch auf dem Transparent würden keinerlei rassistische Inhalte zu sehen sein. Außerdem wäre es bereits bei anderen Europacup-Partien von Lech Posen zum Einsatz gekommen.

Die Anti-Diskriminierungs-Institution FARE, die mit "Never Again" kooperiert, zeigte sich betroffen und verurteilte die Aktion des PZPN-Präsidenten. Die Folge seien Hass und ernstzunehmende Bedrohungen gegen einen ihrer Partner. Das Vorgehen sei nicht akzeptabel und mit dem Amt des Präsidenten nicht vereinbar, so FARE. (Thomas Hirner, 13.8.2015)

  • Die Anti-Diskriminierungs-Institution FARE verurteilt die Tweet-Aktion von Zbigniew Boniek.
    foto: epa/bartlomiej zborowski

    Die Anti-Diskriminierungs-Institution FARE verurteilt die Tweet-Aktion von Zbigniew Boniek.

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