Tierisches Herzrasen bei "Ufo"-Kontakt

13. August 2015, 19:32
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Drohnen zur Wildtierüberwachung verursachen mehr Stress als bisher angenommen, belegt eine Studie an Schwarzbären

Saint Paul / Wien – Taucht plötzlich ein Ufo am Himmel auf, dann dürfte das bei jedem von uns zumindest einen erheblich beschleunigten Herzschlag zur Folge haben. Ist dagegen ein Bär mit einer vergleichbaren Situation konfrontiert, bleibt er weitgehend unbeeindruckt von dem Mysterium über ihm – das zumindest schlossen Wissenschafter aus bisherigen Untersuchungen.

Was sich wie ein eher fragwürdiges, zumindest aber recht skurriles Forschungsproblem anhört, hat einen durchaus ernstzunehmenden Hintergrund. Denn mit den besagten Ufos sind im konkreten Fall mit Kameras ausgerüstete Drohnen gemeint, und diese spielen in der Wildbeobachtung und der Überwachung von Tierbeständen aus der Luft eine immer größere Rolle.

Ob und in welchem Ausmaß sich die Tiere von den Flugobjekten gestört fühlen, war allerdings bislang unklar. So wirkten Amerikanische Schwarzbären aufgrund früherer Beobachtungen beim Auftauchen von Drohnen nur selten erschrocken oder beunruhigt. Noch weniger Exemplare suchten angesichts der seltsamen fliegenden Objekte das Weite. Nun aber belegt eine aktuelle Studie, die Biologen von der University of Minnesota in St. Paul durchgeführt haben, dass Schwarzbären durchaus Anzeichen von Stress zeigen, wenn ein "Ufo" am Himmel auftaucht.

Das herauszufinden war allerdings kein einfaches Unterfangen: Die Forscher rund um Mark Ditmer statteten mehrere Schwarzbären mit einem Sender aus, der gleichzeitig als kardialer Sensor diente, um die jeweils aktuelle Herzfrequenz zu erfassen, wann immer eine entsprechend programmierte Drohne über deren Köpfen patrouillierte.

Überraschendes Herzklopfen

Die im Fachjournal "Current Biology" präsentierten Ergebnisse überraschten die Forscher: "Bei manchen Bären erfassten wir Werte, mit denen wir nie gerechnet hätten", berichtete Ditmer. "Eines der Individuen zeigte gar einen um 400 Prozent erhöhten Herzschlag." Insgesamt 18 Mal kam es zum Kontakt zwischen Bären und Drohnen. Die meisten Tiere ließen sich augenscheinlich nichts anmerken, aber ausnahmslos alle Bären hatten zumindest kurzzeitig einen beschleunigten Puls.

Ditmer schließt daraus vor allem eines: "Auch wenn Drohnen ein unverzichtbares Werkzeug zur Tierbeobachtung darstellen, zeigen unsere Resultate, dass wir mit diesen Geräten in der Wildnis mit viel mehr Bedacht umgehen sollten als bisher." (tberg, 13.8.2015)

  • Drohnen sind bei der Tierbeobachtung mittlerweile unverzichtbar. Welche Unruhe die Geräte auslösen, war bisher allerdings unklar.
    foto: jessie tanner

    Drohnen sind bei der Tierbeobachtung mittlerweile unverzichtbar. Welche Unruhe die Geräte auslösen, war bisher allerdings unklar.

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