Hitze lässt die Ernten verdorren

14. August 2015, 08:00
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Die extreme Hitze und der ausbleibende Regen hinterlassen Spuren. Durch die Bank wird ein geringerer Ertrag erwartet, in einigen Fällen droht Totalausfall

Wien – Sonnenbrand beobachtet Roswitha Sommer an ihren Äpfeln, wenn diese hoch in den Bäumen hängen und direkter Sonne ausgesetzt sind. Trotzdem sagt die Geschäftsführerin der Obstgemeinschaft Steiermark in Bezug auf die heuer zu erwartende Ausbeute: "Es geht noch." Nur Regen wäre halt dringend notwendig.

So wie ihr geht es derzeit den meisten Bauern und Gärtnern. Die Pflanzen stehen trocken auf den Feldern. Vielfach muss früher, noch mit kleineren Früchten, geerntet werden, quasi bevor sie ganz verdorren. "Die Pflanzen altern bei der Hitze schneller", erläutert Karl Herret, Planungsleiter bei der LGV-Frischgemüse.

Die Hagelversicherung rechnet mit mittlerweile deutlich mehr als 100 Millionen Euro Dürreschäden in der Landwirtschaft. Außerdem schlagen etwa 30 Millionen Euro Schaden durch die schweren Hagelschläge bis Ende Juli zu Buche.

Hohe Schäden

Besonders betroffen sind Mais, Raps, Kürbis, Zuckerrübe und Sojabohnen. "Bei diesen späteren Kulturen ist in manchen Gebieten sogar mit einem Totalausfall zu rechnen", so Günter Griesmayr, Vorstandsvorsitzender der Agrarmarkt Austria (AMA) in einer Aussendung. Besonders im Osten Österreichs droht das Totalausfall-Szenario. Die Auswirkungen der derzeitigen Witterung können von Feld zu Feld unterschiedlich sein. Dies hänge mit dem "Wasserhaltevermögen der Böden" zusammen: Auf guten Böden können die Niederschläge vom Herbst und Winter gespeichert werden und Kulturen davon zehren.

Nicht so betroffen ist Getreide (ohne Mais). Die Ernten sind da bereits weitgehend abgeschlossen. Mit 3,3 Millionen Tonnen wurde das Niveau des Vorjahres erreicht. Einbußen gibt es trotzdem, und zwar bei der Qualität. Wegen des ausbleibenden Regens konnten keine Spitzenqualitäten erzielt werden.

Auch bei Kartoffeln ist die Situation kritisch. Fallweise müssen die Erdäpfel früher und damit auch etwas kleiner geerntet werden. So wird verhindert, dass sie auf dem Feld gänzlich eindürren.

Wüstentage

Besonders betroffen von der Situation sind die Bundesländer Niederösterreich und Burgenland. "Doch auch in anderen Bundesländern spitzt sich die Situation zu", heißt es bei der Hagelversicherung, die in einer Aussendung von 13 Wüstentagen bis 12. August spricht. Darunter werden Tage mit mehr als 35 Grad Celsius bezeichnet.

Auch der Gemüseanbau leidet, obwohl dieser im Glashaus stattfindet und es dort Bewässerungsanlagen gibt. Die Pflanzen brauchen mehr Wasser als sonst, erläutert Herret. Um die Hitze in den Glashäusern zu überstehen, braucht beispielsweise eine Paprikapflanze drei bis fünf Liter pro Tag. In den Glashäusern habe es durchgehend Temperaturen bis zu 45 Grad. "Das ist für Mensch und Pflanze ein Stress", sagt Herret.

Befruchtungsproblem

Außerdem kommt es aufgrund der Hitze zu einem Befruchtungsproblem. Die Hummeln sind zwar in den kühleren Morgenstunden unterwegs, hören in der Tageshitze aber auf, ihren Job zu tun. Herret: "Wir können die Paradeis- und Paprikapflanzen nicht mehr ausreichend befruchten. Das könnte in den Herbst hinein zu Ertragsausfällen führen."

Auch in anderen EU-Staaten führen Hitze und ausbleibender Regen zu Problemen in der Landwirtschaft. Spanien wird heuer nur 1,2 Millionen Tonnen Olivenöl herstellen können, ein Rückgang von rund einem Drittel. In Ungarn leidet der Anbau von Sonnenblumen, die heuer nicht die gewohnte Qualität erreichen. Außerdem wird die Maisernte stark zurückgehen. Wie in Österreich auch, muss in Italien die Weinlese vorverlegt werden. (Johanna Ruzicka, 14.8.2015)

  • Mais gehört zu den von Hitze und Dürre am meisten betroffenen Kulturen. Auf manchen Feldern in Niederösterreich und im Burgenland könnte es zu Totalausfällen kommen.
    foto: dpa / rolf haid

    Mais gehört zu den von Hitze und Dürre am meisten betroffenen Kulturen. Auf manchen Feldern in Niederösterreich und im Burgenland könnte es zu Totalausfällen kommen.

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