Auch Weißbüschelaffen lernen durch Zuhören

16. August 2015, 20:11
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Akustisches Feedback der Eltern spielt beim "Spracherwerb" der Jungtiere eine wichtige Rolle, wie Forscher nun herausfanden

Princeton – Weißbüschelaffen (Callithrix jacchus) lernen ihre Laute auf ähnliche Weise wie Menschen. Einer Studie von Forschern der US-Universität Princeton zufolge entwickeln die Tiere ihre Töne auch, indem sie ihren Eltern zuhören. Bisher wurde angenommen, dass der "Spracherwerb" bei nichtmenschlichen Primaten unabhängig von älteren Artgenossen verläuft.

Für die Studie, die im Fachblatt "Science" veröffentlicht wurde, nahm das Team um Daniel Takahashi die Laute von Weißbüschelaffen vom Tag ihrer Geburt bis zum Alter von zwei Monaten auf. Diese im Nordosten Brasiliens beheimateten Affen bieten sich für derartige Untersuchungen an, da die Jungtiere schon nach wenigen Wochen entwöhnt sind.

Während erwachsene Weißbüschelaffen mit einem hohen und regelmäßigen Pfeifton rufen, stoßen Jungtiere Quietschlaute in unregelmäßiger, schneller Folge aus, die fast an Vogelgezwitscher erinnern. Diese Laute wurden von den Biologen sowohl in Situationen aufgenommen, in denen die Äffchen sozial isoliert waren, als auch in Hörweite der Eltern.

Lernen von den Alten

Insgesamt 73.421 Lautäußerungen wurden auf diese Weise erfasst und mithilfe akustischer Parameter. Auf diese Weise wollten die Wissenschafter untersuchen, welchen Einfluss das Wachstum der Jungtiere auf die Veränderungen der Stimmbildung hat. Tatsächlich ist ein Teil davon darauf zurückzuführen, dass sich das Atemsystem der Affen stabilisiert, je größer sie werden.

Die erhobenen Daten legen allerdings nahe, dass dies als Erklärung allein nicht reicht. So fanden die Forscher heraus, dass die Stimmbildung der Jungtiere stark von den Lautantworten der Eltern beeinflusst wird. Mit anderen Worten: Die Vokalisierung der jungen Weißbüschelaffen hängt vom elterlichen Feedback ab, sie lernen also von den älteren Tieren.

Für die Wissenschafter hat diese Erkenntnis weitreichende Folgen: "Sie stürzt jahrzehntealte Überzeugungen zur Stimmbildung von Primaten und zeigt, dass Weißbüschelaffen ein überzeugendes Modell zur Untersuchung der sprachlichen Entwicklung des Menschen sein könnten", so die Studienautoren.

Uralte Basis

In einem ebenfalls in Science erschienenen Kommentar zur Studie ergänzen der Verhaltensneurologe Daniel Margoliash (Universität Chicago) und der Zoologe Ofer Tchernichovski (Hunter College, New York), dass die frühen Stufen der Lautentwicklung bei verschiedenen Tierarten erstaunlich ähnlich seien: So würden sowohl junge Affen wie auch Vögel und Babys am Anfang sehr unterschiedliche, aber nur wenig strukturierte Laute von sich geben.

"Die Ergebnisse der Studie von Takahashi und seinen Kollegen deuten nun auf eine uralte Basis für das Lernen von Lauten hin", so die beiden Forscher. Das sich entwickelnde menschliche Hirn könnte diesen evolutionären Prozess fortgesetzt haben. (APA, red, 16.8.2015)

  • Woher die Weißbüschelaffen ihren Namen haben, ist relativ leicht ersichtlich. Dass bei der Lauterlernung der Jungtiere dieser Spezies auch die Eltern eine wichtige Rolle spielen, ist neu.
    foto: apa/dpa/holger hollemann

    Woher die Weißbüschelaffen ihren Namen haben, ist relativ leicht ersichtlich. Dass bei der Lauterlernung der Jungtiere dieser Spezies auch die Eltern eine wichtige Rolle spielen, ist neu.

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