Wiener sehen bei keiner Landtagspartei geeigneten Nachwuchs

13. August 2015, 16:56
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Wie sehen die Wiener die Parteien, die sich ihnen im Herbst zur Wahl stellen? Die SPÖ bekommt zwar Top-Nennungen – aber sie ist auch jene Partei, der am wenigsten geeigneter Nachwuchs zugetraut wird

Wien – Keine der Wiener Parteien verfügt nach Ansicht der Wiener Wahlberechtigten über eine ausreichende Personalreserve. Das geht aus einer Market-Umfrage für den STANDARD hervor. Lediglich bei den Grünen und bei der ÖVP vermuten je 15 Prozent geeignete Nachwuchspolitiker. Bei der SPÖ sehen gar nur zwei Prozent der Befragten geeigneten Nachwuchs.

Andererseits: SPÖ und Grünen wird attestiert, dass sie für eine "moderne offene Weltstadt" stünden. Der ÖVP traut man mit weitem Vorsprung auf andere die Wirtschaftskompetenz zu, der FPÖ ähnlich überlegen ein offenes Ohr für Bürgersorgen.

SPÖ hat starkes Profil

Die genauere Analyse der Daten zeigt: Bekanntheit schafft Vorsprung. Wenn es nur nach diesem Prinzip ginge, dann brauchte sich die SPÖ vor der Wiener Landtags- und Gemeinderatswahl im Oktober keine Sorgen zu machen – denn im vom Linzer Market-Institut erstellten Profil der Landtagsparteien haben die Sozialdemokraten bei vielen Themen die meisten Nennungen.

David Pfarrhofer, der die Umfragen für den STANDARD betreut, verweist auf die hohe Präsenz der SPÖ in der Bundeshauptstadt: "Wenn man fragen würde, wer wohl für einen guten Ruf Wiens in der Welt sorgt, dann fällt wohl den meisten Leuten als Erstes die Bürgermeisterpartei ein. Daran ändert sich wenig, wenn man, wie wir das gemacht haben, für jede einzelne Partei und unabhängig von der Meinung zu anderen Parteien, konkret fragt, ob sie für den guten Ruf Wiens etwas tut. In Wien sagen das 39 Prozent für die SPÖ und 17 Prozent für die ÖVP – das ist ziemlich unverändert gegenüber einer gleichen Umfrage, die wir 2011 gemacht haben."

FP-Wähler anerkennen Verdienste nicht

Man muss kein Sozialdemokrat sein, um gewisse Leistungen der Bürgermeisterpartei anzuerkennen. Den Beitrag der SPÖ zum guten Ruf Wiens sehen nicht nur drei Viertel aller erklärten SPÖ-Wähler – auch etwa jeder zweite Grünen-Wähler und gut ein Viertel der Anhänger von ÖVP und Neos stimmen in diesem Punkt zu. Nur die Wähler der FPÖ und die politisch nicht festgelegten Wahlberechtigten (die teilweise zur FPÖ tendieren) sind auffallend zurückhaltend.

Die Tabelle zeigt: Den einzelnen Parteien werden sehr unterschiedliche Stärken und Schwächen zugeordnet.

Grüne Erfolge werden wahrgenommen

Auch dem kleinen Koalitionspartner Grüne werden viele Kompetenzen zugetraut – Pfarrhofer betont, dass das damit zusammenhängt, dass eine Regierungspartei eben auch gewisse Zuständigkeiten hat, wo sie von der Opposition kaum überflügelt werden kann. "Eine Oppositionspartei kann für niedrige Tarife kampagnisieren – die Grünen aber haben das zumindest teilweise durchsetzen können." Auch das wird wiederum in relativ hohem Ausmaß auch von Anhängern anderer Parteien anerkannt.

Kurz färbt positiv auf ÖVP ab

Auffallend nennt Pfarrhofer das geringe Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit der Parteien: Kaum einer der Wiener Parteien wird attestiert, dass sie "viele geeignete Nachwuchspolitiker" hätte – am ehesten noch der ÖVP (hier könnte das Image von Außenminister Sebastian Kurz mitwirken) und den Grünen, am wenigsten den Sozialdemokraten.

Die FPÖ, die in Wien besonders auf eine Duellsituation mit der SPÖ ausgerichtet ist, wird mehr als alle anderen Parteien mit Verständnis für die Sorgen der Wiener in Verbindung gebracht. Anders ist das, wenn man fragt, ob die jeweilige Partei die Arbeitnehmer in Wien vertritt: In dieser Fragestellung gewinnt die SPÖ. (Conrad Seidl, 13.8.2015)

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