Manchmal kann Klimaschutz dem Klima auch schaden

15. August 2015, 18:25
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Aktuelle Studie zeigt: Klimafreundliches Verhalten kann auch negative Effekte haben

Um persönlich Einfluss auf den Ausstoß von Treibhausgasen wie Kohlendioxid zu nehmen, hat man eine ganze Reihe von Möglichkeiten: Stromsparen und der Umstieg auf alternative Energien, Reduktion von Fleischkonsum oder der Verzicht auf Flugreisen und Autofahrten – all das hilft dabei, den Ursachen des Klimawandel entgegen zu wirken. Doch Konsumverzicht hat nicht automatisch die Reduktion von Treibhausgasen zur Folge, wie nun eine Untersuchung zeigt.

Dies betrifft vor allem Güter, deren Erzeugung durch das Europäische Emissionshandelssystem (EU-ETS) abgedeckt wird, wie etwa Strom. Das EU-ETS wurde 2005 eingeführt und erfasst europaweit rund 12.000 Anlagen der Energiewirtschaft und der energieintensiven Industrie sowie alle innereuropäischen Flüge. Zentraler Bestandteil des EU-ETS ist eine Höchstmenge an zulässigen CO2-Emissionen, die vorgibt, wie viele CO2-Zertifikate ausgegeben werden. Die Betreiber der Anlagen, die dem EU-ETS unterliegen, müssen für jede ausgestoßene Tonne CO2 ein Zertifikat abgeben.

Emissionsrechte, die nicht benötigt werden, werden an andere teilnehmende Unternehmen verkauft oder für die Zukunft gespart. Werden alle Emissionsrechte genutzt, führt Stromsparen deshalb nicht automatisch zu weniger CO2-Ausstoß: "Wenn ein Hamburger Haushalt weniger Strom verbraucht, senkt das zwar die Treibhausgasemissionen in der deutschen Stromwirtschaft. Doch die eingesparten Emissionen verschieben sich durch das EU-ETS automatisch an einen anderen Ort oder Zeitpunkt", erklärt Grischa Perino von der Universität Hamburg.

Stromsparen kann Emissionen erhöhen

Klimafreundliche Konsumentscheidungen wie Stromsparen können der Studie zufolge sogar indirekt die Treibhausgasemissionen erhöhen. Der Grund dafür ist, dass das gesparte Geld in den Konsum von Gütern fließt, deren Produktion nicht dem Emissionshandel unterliegt. Dies gilt beispielsweise für Fleischprodukte, aber auch für Autofahrten oder Fernreisen. Dann erhöhen sich die Treibhausgasemissionen in diesen Sektoren, ohne dass dies an anderer Stelle kompensiert wird.

Die Studie zeigt, dass klimafreundliches Verhalten vor allem bei diesen Gütern effektiv ist. Derzeit berücksichtigten die Empfehlungen vieler Umweltschutzorganisationen und Regierungen die Wechselwirkungen mit dem EU-ETS jedoch nicht, so Perino: "Nicht die Emissionsintensität eines Produktes, sondern die Abdeckung der Emissionen durch das EU-ETS ist entscheidend für die Klimawirksamkeit von Konsumverzicht. Emissionen innerhalb des EU-ETS lassen sich nur durch eine Reduzierung der verfügbaren Zertifikate vermeiden. Dies kann durch den Erwerb und die Stilllegung von Zertifikaten durch Privatpersonen oder durch die direkte Reduktion der Höchstgrenze durch die Politik geschehen." (red, 15.8.2015)

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