Rapid bleibt am Boden, die Austria verdaut

13. August 2015, 14:59
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Die Hütteldorfer schätzen nach dem Derbysieg das Leben an der Spitze, die Veilchen orientieren sich derweil an anderen Gegnern

Wien – Thorsten Fink steckt in der Verdauungsphase. Des Deutschen erstes Wiener Derby war für ihn eine schwere, den Magen nicht gerade schonende Kost. Rapid hat es am Mittwochabend 5:2 gewonnen. Austrias Trainer redete die Niederlage zwar nicht schön, sagte aber: "Es gab auch Positives, die Ausstrahlung, der Biss und der Wille haben absolut gestimmt." Insofern sei es kein Problem, "sich in den Spiegel zu schauen. Wer Fehler macht, darf das. Fußballer sind Menschen. Wer nicht sein Bestes gibt, der soll den Blick in den Spiegel bleiben lassen. Aber das trifft auf uns nicht zu." Das Beste verursachte kollektive Verdauungsprobleme. Goalie Robert Almer: "Wir machten Fehler in der Rückwärtsbewegung. Wir sind nicht so weit, wie wir gerne wären und hingeredet werden."

Niederlage mit Ansage

Fink hatte vor Saisonbeginn in einem ausführlichen Standard-Interview gesagt, dass man mit ihm offensiven Fußball bekomme, aber hin und wieder verliere. "Auch mal zu Hause, mal sogar hoch, weil man in eine rechte Gerade hineingelaufen ist. Aber das nächste Spiel gewinnt man dann 3:0." Am Samstag kann die Austria daheim gegen Matterburg den Trainer bestätigen. Rapid verabreichte gleich fünf Gerade oder auch Leberhaken. Fink: "Die sind bärenstark, wir mussten zu früh gegen sie antreten. Wir orientieren uns nicht an Platz eins oder zwei, dort gehören wir nicht hin."

Rapid thront derweil an der Spitze. Der Lauf ist fast ein Ultramarathon, seit 16 Ligaspielen wurde nicht mehr verloren. Kapitän Steffen Hofmann: "Nach vier Runden ist in keinem Land der Welt eine Meisterschaft entschieden. Wir bleiben am Boden."

Dem Zufall ist diese Serie nicht geschuldet, die Mannschaft ist eingespielt, miteinander gewachsen, die Automatismen können jederzeit abgerufen werden. Mittelfeldmann Stefan Schwab nennt Gründe für die anhaltende Schönwetterlage: "Wir wissen, dass man immer hundert Prozent geben muss. Gegen Wolfsberg war das vor der Pause nicht der Fall, das war uns eine Lehre. Wir bleiben trotz des Selbstvertrauens fest am Boden. Es gibt keine Egoisten, das Team steht über jedem Einzelnen." Es sei, so Schwab, nicht untypisch gewesen, "dass sich gegen die Austria fünf verschiedene Namen in die Schützenliste eingetragen haben. Das spricht für die Ausgeglichenheit des Kaders." Das Trainerteam um Chef Zoran Barisic gehe mit der Situation hervorragend um. "Auch jene, die nicht zum Einsatz kommen, haben das Gefühl, dabei zu sein."

Es hat sich viel getan

Barisic erinnerte daran, die Vorsaison mit einem 1:6 in Salzburg begonnen zu haben. "Seither hat sich viel getan." Die Erfolge seien ihm nicht unheimlich, "sie sind erklärbar. Gratulation an jeden Einzelnen. Die Bereitschaft, noch besser zu werden, ist enorm." Angst, dass die Serie reißen könne, habe er keine. "Weil doch jede Serie endet. Warum soll man sich da verrückt machen?"

Am Sonntag gastiert Rapid bei Sturm Graz. "Ein harter Brocken." Am Mittwoch steht im Ernst-Happel-Stadion das Playoff zur Champions League gegen Schachtar Donezk an. Barisic: "Es gibt sicher noch Luft nach oben." Diesbezüglich ist die Austria dem Stadtrivalen nicht unähnlich, der Unterschied liegt im Detail. Fink: "Es gibt viel Luft nach oben." (Christian Hackl, 13.8.2015)

  • Die Körpersprache gibt Aufschluss über den Spielverlauf.
    foto: apa/neubauer

    Die Körpersprache gibt Aufschluss über den Spielverlauf.

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