Landesschulräte pochen auf mehr Geld für Flüchtlingskinder

13. August 2015, 14:28
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"Ohne mehr Geld geht's nicht" – Kurz: Mehr Geld nur dann, wenn separate Deutschklassen kommen

Wien – Für Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) ist das Rezept klar, wie Österreich am besten mit den Flüchtlingskindern, die im Herbst in den Schulen betreut werden müssen, umgehen soll. Im Ö1-Mittagsjournal wiederholte er am Donnerstag seine alte Forderung nach eigenen Schulklassen für Kinder ohne Deutschkenntnisse: "Das wäre die richtige Förderung für diese Kinder." Nur dann, wenn Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) diese Idee endlich umsetze, "kann sie auf meine Unterstützung zählen".

Heinisch-Hosek hat "einige Millionen Euro" für neue Planstellen im Bereich Sprachförderung verlangt. Derzeit werden rund 25 Millionen Euro für 440 Stellen aufgewendet. Aus dem Finanzministerium war dazu aber bis jetzt kein positives Zeichen zu vernehmen.

Intensivsprachkurse schon jetzt möglich

Zu Kurz' "Deutschklassen" ließ sie wissen, dass sich das Bildungsressort bei Sprachförderung "am aktuellen Forschungsstand orientiert". Demnach müsse "auf die Integration in einer Gruppe Gleichaltriger von Anfang an höchstes Augenmerk gelegt werden, denn Kinder erlernen eine Fremdsprache zu einem hohen Anteil voneinander". Für Kinder, jugendliche Flüchtlinge und andere Quereinsteiger könne es aber "durchaus Sinn machen, mit einem Intensivsprachkurs zu beginnen". Diese seien "bereits jetzt sowohl integrativ als auch ergänzend möglich" – zu entscheiden von den Pädagogen vor Ort mit der Schulaufsicht.

"Ohne mehr Geld wird's nicht gehen"

Dort, in der Schulaufsicht, wollen die Verantwortlichen keine Zeit mit Grabenkämpfen um Deutschklassen oder nicht verlieren. Sie bereiten sich längst auf den Schulbeginn vor. Etwas betonten aber der ÖVP- und der SPÖ-Landesschulratspräsident, die der STANDARD am Donnerstag erreichte. Fritz Enzenhofer (ÖVP) aus Oberösterreich sagte: "Ohne mehr Geld und zusätzliche Ressourcen wird's nicht gehen." Und Rudolf Altersberger (SPÖ) aus Kärnten betonte: "Ja, sicher werden wir mehr Personal brauchen, das haben wir auch schon deponiert."

Im Pflichtschulbereich würden die Länder nach dem Finanzausgleich gemäß Schülerzahl mit Personal ausgestattet – was viele zusätzliche Flüchtlinge, so Enzenhofer, "lang nicht abdeckt". Er wisse erst zu Schulbeginn, "wie viele Kinder in welche Regionen kommen und welcher Personalbedarf dadurch entsteht, aber ich werde jedenfalls die pädagogischen Ressourcen für die Flüchtlingskinder extra vermerken und dem Bund dann in einem Jahr melden. Bis dahin ist es hoffentlich geklärt."

Fördergelder in einen Topf

Altersberger hielte es für "sinnvoll, die verschiedenen Töpfe für Sprachförderung im Bildungsbereich zusammenzuführen und von dort zu steuern", denn: "Jetzt hat die Familienministerin Geld für den Kindergarten, der Außenminister für Sprachkurse für Erwachsene – und das Geld zischt links und rechts an den Schulen vorbei, und wir müssen zum Finanzminister betteln gehen."

Wie geht Kärnten inhaltlich mit dem Thema um? "Wir sind in Stand-by", sagt Altersberger, "wir brechen nicht in Panik aus." Man habe einen Leitfaden erarbeitet, demzufolge Quartiergeber binnen 14 Tagen schulpflichtige Flüchtlinge melden müssen, damit sich die Schulen auf sie vorbereiten können. "Eigene Deutschklassen wollen wir aber nicht."

Auch in Oberösterreich sind "die Maßnahmen, die notwendig sind, relativ klar", sagt Enzenhofer. Sie werden standortspezifisch getroffen und hängen davon ab, wie viele und welche Kinder woher kommen. Wenn es mehrere mit derselben Muttersprache seien, könnten auch eigene Klassen sinnvoll sein, doch prinzipiell betont auch er: "Man lernt Deutsch durchs miteinander Reden."

"Die Schule wird damit umgehen können"

Grund zur Hysterie sieht Enzenhofer nicht: "Die Schule wird damit gut umgehen können", verweist er auf Linz, wo Kinder aus 38 Nationen und mit 25 Sprachen betreut werden. Oder: "Wenn in eine Gemeinde fünf syrische Familien mit zehn Kindern kommen, wird das in einer Volksschule mit 100 bis 150 Kindern im Regelfall kein Problem sein." (Lisa Nimmervoll, 13.8.2015)

  • Sebastian Kurz bleibt dabei: Er will eigene Deutsch-Klassen für Kinder mit anderen Muttersprachen.
    foto: ap/zemlianichenko

    Sebastian Kurz bleibt dabei: Er will eigene Deutsch-Klassen für Kinder mit anderen Muttersprachen.

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