Netflix für Opern und Konzerte von ORF und Unitel

13. August 2015, 17:45
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Kartellbehörden müssen noch zustimmen – mit 20 Euro im Monat "ein paar hunderttausend Abonnenten" angepeilt

Wien – Noch hat das Ding keinen Namen, den Jan Mojto und Richard Grasl verraten wollen. Nicht alle Fragen von Markenrecht und Internetadresse sind geklärt.

Die geplante URL würde gleich viel teurer, wenn die Pläne von ORF und Unitel damit verknüpft sind, sagte ORF-Finanzdirektor Richard Grasl am Donnerstag im Haus der Musik. Dort präsentierte er mit dem deutschen Großproduzenten und Unitel-Chef Mojto das gemeinsame Projekt.

Globale Marktnische

Um den Jahreswechsel soll die gemeinsame Plattform on air gehen, mit 1500 Stunden Klassikvideos in hoher Qualität, wie beide häufig betonen. Für rund 20 Euro im Monat sind Archivaufnahmen und Liveprogramme zu haben, auch reine Audioangebote wird es geben. Die technische Basis kommt von der zugekauften ORF-Tochter Flimmit.

Eine Art Netflix für Klassik, wie es ORF-Chef Alexander Wrabetz vor einem Jahr im Interview mit dem STANDARD angekündigt hat – eine womöglich globale Marktnische, vermutete der Generaldirektor damals.

Den Weltmarkt peilen die Partner schrittweise an, auch in dem Hintergrundgespräch: Zunächst gehe es um den deutschsprachigen Markt, eröffnet Grasl. Etwas später kann dann "europaweit aus Wien heraus etwas entstehen". Und Mojto, der gern in großen Dimensionen denkt: "Vielleicht auch weltweit."

Hunderttausende Abos

Wie viel will der ORF mit dem Portal in fünf Jahren einnehmen? Weder Grasl noch Mojto nennen Eurozahlen. Grasl spricht von "hohen vierstelligen, vielleicht fünfstelligen" Abozahlen in den ersten drei Jahren, die in dieser Zeit "keine großen Ergebnisbeiträge" für die Mutterhäuser abwerfen würden.

Mojto denkt in anderen Größenordnungen: Sein Pay-TV-Kanal Classica hatte als Einzelangebot in Italien 40.000 Abonnenten, rechnet Mojto vor und im Kopf weiter die Abozahlen in Spanien, in Frankreich (mit Konkurrenz) und in Deutschland. Ergebnis der Kalkulation: "Sehr vorsichtig geschätzt müssten wir ohne Schwierigkeiten auf ein paar hundert tausend Abonnenten in Europa kommen." 100.000 mal 20 mal 12 ergibt schon einmal 24 Millionen.

Mojto hat große Teile des Medienkonzerns von Leo Kirch übernommen und weiterentwickelt, darunter die Unitel.

Entscheidung der Kartellbehörde ausständig

Die Partnerschaft mit dem ORF auch für das Klassikportal lag auf der Hand: Seit Jahrzehnten produzieren Unitel und ORF gemeinsam, Leo Kirch und der Langzeitgeneral des ORF, Gerd Bacher, waren lebenslang befreundet, ORF und Kirch-Gruppe gut im Geschäft. Gemeinsam haben sie auch viele Rechte an Archivproduktionen, erinnert Mojto.

Partner sind willkommen, Finanzpartner interessiert, sagt Mojto. Erst müssen die Kartellbehörden dem 50:50-Joint-Venture zustimmen. Noch also sind "die Äußerungen sehr bedingt, die Wirklichkeit ist aber schon da", sagt Mojto. "Wir haben die Voraussetzungen." Nachsatz an den Partner: "Haben wir eine Vision?" Grasl, sehr schnell: "Ja."

"Opernstadl"

Die Namensfrage lässt sich, wenn man den Ernst ein bisschen außer Acht lässt, immerhin schon ein wenig eingrenzen: Die Marke "Kulturkapsel" ist jedenfalls seit Juni markenrechtlich von zwei Herrschaften aus Bürs und Bludenz in Vorarlberg gesichert. Und, leider: Auch die Marke "Opernstadl" haben zwei Wiener schon schützen lassen. (fid, 13.082015)

  • Jan Mojto (Unitel) und Richard Grasl (ORF) bei der Präsentation, im Hintergrund ein Blick auf den ersten Klick-Dummy für das Klassikportal.
    foto: orf/thomas ramstorfer

    Jan Mojto (Unitel) und Richard Grasl (ORF) bei der Präsentation, im Hintergrund ein Blick auf den ersten Klick-Dummy für das Klassikportal.

  • Ein Schnappschuss bei der Präsentation vom ersten Dummy für das ORF-Klassikportal – er soll bis Jahresende noch deutlich anders aussehen.
    foto: fidler

    Ein Schnappschuss bei der Präsentation vom ersten Dummy für das ORF-Klassikportal – er soll bis Jahresende noch deutlich anders aussehen.

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