Ejakulatstudie: Masturbieren für die Wissenschaft

16. August 2015, 12:00
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Forscher fanden in einer Studie heraus, dass eine "neue Frau" die Spermienqualität verbessert

Ohio – Der deutsche Schriftsteller Ernst von Wildenbruch dichtete vor mehr als 100 Jahren: "Vielfalt ist die Würze des Lebens". Durch eine US-Studie dürfte dieser Aphorismus nun um eine Facette reicher sein. Wissenschaftler vom Wooster-College in Ohio untersuchten, ob sich die Spermaqualität ändert, wenn der sexuellen Höhepunkt durch einen neuen Stimulus ausgelöst wird. Konkret ging es um Frage, welchen Effekt ein erstmaliger Reiz – im Fall der Studie eine Soft-Erotik-Sequenz mit einer neuen Protagonistin – auf das männliche Ejakulat hat.

Dazu wurde innerhalb von 15 Tagen 21 heterosexuellen, gesunden Probanden im Alter zwischen 18 und 23 Jahren je sieben Spermaproben abgenommen. Für die ersten sechs Proben sollten sich die Teilnehmer im Abstand von mindestens 48 Stunden ein repetitiv laufendes Erotik-Video von drei Minuten ansehen, in dem immer dieselbe Frau und derselbe Mann zu sehen waren.

Die Probanden wurden aufgefordert, die Dauer bis zum Samenerguss zu notieren. Vom Ejakulat prüften die Forscher die Menge und die Anzahl der darin enthaltenen beweglichen Spermien.

Die Kraft der attraktiven Unbekannten

Für die siebte, letzte Spermaprobe wurde die unabhängige Variable "Stimulus" verändert. Das heißt, die Studienteilnehmer sahen nun eine Soft-Erotik-Sequenz mit einer neuen, anderen Darstellerin. Das Ergebnis: Die Dauer bis zum sexuellen Höhepunkt verkürzte sich, die Menge des Ejakulats und die Anzahl beweglicher Spermien erhöhte sich signifikant.

Die Schlussfolgerung der Wissenschaftler: "Männer produzieren eine bessere Spermienqualität, wenn sie mit einer attraktiven, unbekannten Frau konfrontiert werden." Den Forschern zufolge sei das auf das evolutionäre Konkurrenzdenken zurückzuführen. Mit möglichst vielen Frauen zu schlafen, bedeutet demnach auch die Chance auf Fortpflanzung zu erhöhen.

Problematisch: Kleines Sample

Die Wissenschaftler betonen, dass die Studie nicht das Konzept der Monogamie in Frage stellen wolle. Die Ergebnisse sollten vielmehr Patienten mit Fruchtbarkeitsproblemen helfen: "Wenn Männer deshalb zum Arzt gehen, wird häufig eine Spermaprobe benötigt. Dabei sehen sie sich zur Stimulation auch pornografische Inhalte an. Unsere Studie legt nahe, dass hier positive Verfälschungen möglich sind, da das 'Neue-Frau-Prinzip' wirksam sein könnte. Das sollte bei derartigen Untersuchungen zukünftig berücksichtigt werden", sagt Co-Autor Paul Joseph.

Die Kritik an der Studie: Das Sample von 21 Probanden sei zu klein, um verallgemeinerbare Aussagen treffen zu können. Die Begründung der Forscher: Das ist bei derartigen Studien üblich, da sich für solche Forschungsfragen keine große Anzahl von Teilnehmern finden lässt. (gueb, 16.8.2015)

  • 21 Probanden lieferten im Zeitraum von 15 Tagen insgesamt sieben Spermaproben ab. Damit sollte erhoben werden, ob unterschiedliche Stimuli das Ejakulat beeinflussen.
    foto: dpa/julian stratenschulte

    21 Probanden lieferten im Zeitraum von 15 Tagen insgesamt sieben Spermaproben ab. Damit sollte erhoben werden, ob unterschiedliche Stimuli das Ejakulat beeinflussen.

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