Air Berlin schreibt 248 Millionen Euro Verlust

13. August 2015, 10:44
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Das Unternehmen hofft auf die zweite Jahreshälfte, die Investoren teilen den Optimismus nicht

Berlin/Wien – Die deutsche Fluggesellschaft Air Berlin, Mutter der österreichischen Airline Niki, ist auf ihrem Sanierungskurs im zweiten Quartal erneut in die roten Zahlen geflogen. Unterm Strich stand ein Quartalsverlust von 37,5 Mio. Euro, nach einem kleinen Gewinn von 8,6 Mio. ein Jahr zuvor. Im Halbjahresvergleich wuchs das Minus hingegen auf 248 Mio. Euro (1-6/2014: -201 Mio. Euro).

Air-Berlin-Chef Stefan Pichler, der das Unternehmen seit Februar führt, machte Hoffnung auf eine Besserung in der zweiten Jahreshälfte.

Investoren teilten den Optimismus des Konzernchefs aber nicht. Im nachbörslichen Handel bei Lang & Schwarz sackten Air-Berlin-Titel Mittwochabend nach der Bekanntgabe der Ergebnisse um mehr als 6 Prozent ab. Am Vormittag nach Börseneröffnung lag die Aktie 3,57 Prozent im Minus.

Pichler hat ein weiteres Sanierungsprogramm aufgelegt, mit dem operativ 2016 der Sprung in die schwarzen Zahlen gelingen soll. Air Berlin steckt wegen eines übereilten Expansionskurses tief in der Krise.

Umbau

Den angekündigten Umbau des Geschäftsmodells will der Manager im vierten Quartal angehen. In einer Investorenpräsentation vom Donnerstag hieß es, dass bis September die Überprüfung der Netzwerk-Strategie abgeschlossen sein soll. Bis zum 1. Quartal 2016 geht es um die "Neuausrichtung" der Kostenstruktur. Damit verbunden: Ein Rückzug aus nicht-strategischen Märkten.

Air Berlin hält sich seit geraumer Zeit nur dank millionenschwerer Finanzspritzen ihrer arabischen Großaktionärin Etihad in der Luft. Nach Pichlers bisherigen Aussagen steht Air Berlin eine weitere Schrumpfung bevor. Bereits sein aus Österreich stammender Vorgänger Wolfgang Prock-Schauer hatte Flotte und Flugangebot zusammengestrichen.

Weniger Umsatz

Im zweiten Quartal 2015 sank daher auch der Umsatz um 7 Prozent auf knapp 1,1 Mrd. Euro. Der operative Verlust (Ebit) wuchs jedoch von 6,8 Millionen auf fast 16 Millionen Euro, auch weil Air Berlin ein Jahr zuvor vom Pilotenstreik bei der Lufthansa und einer späteren Lage der Osterferien profitiert hatte.

Das billige Kerosin half Air Berlin zuletzt kaum. Die Vorteile seien durch Preissicherungsgeschäfte und den starken US-Dollar wieder aufgehoben worden, hieß es. Insgesamt fiel Air Berlins operativer Verlust im ersten Halbjahr mit 176 Millionen Euro um 7 Prozent geringer aus als in der ersten Jahreshälfte 2014.

In den vergangenen sieben Geschäftsjahren flog die Gesellschaft nur einmal einen Konzerngewinn ein. Auch eine Reihe von Wechseln an der Unternehmensspitze änderte nichts an der Misere. Etihad kaufte 2011 knapp 30 Prozent der Aktien und hält die Berliner seither mit Finanzspritzen in der Luft.

Mit dem seit 1. Jänner 2015 geltenden Niki-Kollektivvertrag wurde das bis dahin über eine Wiener Leiharbeitsfirma beschäftigte Niki-Personal angestellt. In der Bilanz der Air-Berlin-Gruppe hat sich dies, wie aus dem jetzigen Halbjahresbericht hervorgeht, in höheren Personalkosten niedergeschlagen. (APA, 13.8.2015)

  • Air Berlin schreibt Verluste.
    foto: reuters/tobias schwarz

    Air Berlin schreibt Verluste.

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