Athen will Reedern endlich Steuern abknöpfen

12. August 2015, 17:27
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Die Branche hat hohe Steuerprivilegien und droht mit Abwanderung

Athen/Wien – Die Abgaben aus der griechischen Schifffahrt zu erhöhen und die Steuerprivilegien für die Reeder abzuschaffen – das ist ein wichtiger Punkt in jedem griechischen Sparpaket. So auch beim jüngsten, dritten Hilfspaket. Da will Griechenlands Premier Alexis Tsipras höhere Tonnagen-Steuern einführen. Außerdem will er die vielfältigen Ausnahmeregelungen der Branche allesamt kappen.

Die Voraussetzungen für mehr Steuergerechtigkeit sind aber nicht besonders gut, merkt das Londoner Beratungsunternehmen Wealth-X in einer Untersuchung zur kommerziellen Schifffahrt Griechenlands an. So sind solche Steuerpläne bisher auch gescheitert.

Generöse Regelungen im Verfassungsrang

Die 1967 eingeführten Steuergesetze im Verfassungsrang beinhalten generöse Regelungen: Die Besteuerung auf Basis der Tonnage ist niedrig. Gewinne sind steuerfrei. Auch müssen die Schiffseigner beispielsweise keine Steuern auf die Erlöse von Schiffsverkäufen zahlen. Erträge, die im Ausland erwirtschaftet werden, gehen am griechischen Fiskus vorbei.

Da sich die Branche zu einem kräftigen Steuerobolus verpflichtet hat – zwischen 2014 und 2017 sollen laut Wealth-X 468 Millionen Dollar zusätzlicher Tonnagensteuer an Athen überwiesen werden, stoßen die weiteren Steuern auf Ablehnung.

Ablehnung der Pläne

"Die Pläne berühren uns nicht wirklich. Wir sind außerhalb Griechenlands registriert", sagt ein Reeder in der britischen Zeitung "Guardian". Bevorzugt fahren die Griechen unter liberischer oder panamesischer Flagge. Da wäre es relativ leicht, die Firmen ganz aus Griechenland abzuziehen und in eine Steueroase zu verlegen.

Für die Wirtschaft des Landes ist die Schifffahrt ausgesprochen wichtig. Der Sektor stellt 7,5 Prozent der Wirtschaftsleistung; geschätzte 200.000 Arbeitsplätze hängen daran. Griechenlands kommerzielle Schifffahrt gehört zu den größten der Welt.

Da ist es nur verständlich, dass auf der Liste an griechischen Milliardären vor allem Reeder anzutreffen sind. Die zehn reichsten Griechen haben ihr Glück durch die Bank mit der Schifffahrt gemacht. Allen voran Philipp Niarchos mit einem geschätzten Vermögen von 2,5 Milliarden US-Dollar (2,2 Milliarden Euro), der sein Vermögen von seinem Vater, dem Reeder Stavros Niarchos geerbt hat. Über die Stavros Niarchos Foundation hat die Familie 130 Millionen US-Dollar für den Kampf gegen die Krise bereitgestellt. (Johanna Ruzicka, 12.8.215)

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