Abwrackprämien

Kolumne12. August 2015, 17:36
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Wir sollten uns doch wirklich alle ein bisschen zusammenreißen und, statt Spott und Hohn zu verbreiten, lieber das Positive hervorheben

In der finstersten Stunde des Teams Stronach glimmt ein winziger Lichtschein der Hoffnung. Die Landesgruppe Oberösterreich ist vor ein paar Tagen an ihrer eigenen Auflösung gescheitert, da zu wenige Mitglieder erschienen waren, um den Beschluss in die Tat umzusetzen. Die richtigen Schlüsse aus diesem Vorfall ziehend, könnte die personell ausgezehrte Partei zahlreiche neue Mitglieder anlocken, indem sie diesen in Aussicht stellt, mit ihrem Beitritt die Auflösung des Teams Stronach zu ermöglichen.

Doch bevor wir hier weitere unkonventionelle Strategien ersinnen, sollten wir an die mahnenden Worte von Martina Salomon im Kurier denken, die angesichts der "Häme, die sich über Stronach und andere Volksvertreter ergießt" warnt: "Natürlich ist es verlockend, die Politik vor allem satirisch zu betrachten. Das Ergebnis aber ist verheerend." Nämlich dergestalt, dass "es gut geölte Redemaschinen erzeugt", und "fast alle im Parlament vertretenen Parteien – inklusive FPÖ, Neos und weiten Teilen der ÖVP – linkspopulistisch sind".

Auch wenn die beschriebenen Verheerungen nur mithilfe einer von Exzentrik inspirierten Betrachtungsweise erkennbar sein mögen, sollten wir uns doch wirklich alle ein bisschen zusammenreißen und, statt Spott und Hohn zu verbreiten, lieber das Positive an den jüngsten Entwicklungen hervorheben. Das gilt vor allem für die neuen Parteifreunde der ehemaligen Stronach-Abgeordneten. "Die ÖVP ist nicht der Mistkübel für gestrandete Politiker!", empört sich der Wirtschaftsbund Burgenland, doch gerade dem ökonomischen Denken Verpflichtete sollten die von der Volkspartei generierten 96.000 Euro Abwrackprämie pro übergelaufenen Abgeordneten zu würdigen wissen. Und wer immer noch an die "ökosoziale Marktwirtschaft" glaubt, darf weder Umverteilung noch ökologisch verantwortungsbewusste Entsorgung als Ziel aus den Augen verlieren. Ein mittlerweile international praktizierter Denkansatz, hat doch erst unlängst Silvio Berlusconi angekündigt, seine Zukunft als russischer Wirtschaftsminister zu planen. Vielleicht kann ja der neue ÖVP-Gesäß-Sprecher Marcus Franz seine Überzeugung, wonach freiwillige Kinderlosigkeit und Homosexualität amoralisch sind, eines Tages als Gesundheitsinspektor der Region Nowosibirsk ausleben.

Aber auch in politiknahen Branchen eröffnet das Zusammenkehren der Team-Stronach-Trümmer neue Perspektiven. So bezeichnete Rouven Ertlschweiger sein Überlaufen zur ÖVP als "quasi Heimkehr", da er schon früher für die Niederösterreichischen Nachrichten geschrieben hätte. Eine Aussage, mit der man bei den um den Anschein politischer Unabhängigkeit ebenso verbissen wie vergeblich ringenden NÖN – im Volksmund auch bekannt als "Erwin-Pröll-Prawda" oder "Glatzenpost" – wenig Freude haben wird, die aber Hoffnung auf ähnlich argumentierbare Wechsel gibt. Beispielsweise könnte Peter Gnam endlich ganz offiziell für die FPÖ arbeiten, während bei der Boulevard-Ruine Jeannée Ewald Stadlers Christenpartei ihre ganze Barmherzigkeit unter Beweis stellen könnte. Und vielleicht ermöglicht Martina Salomon ja noch dem linkspopulismusfreien Team Stronach mit ihrem Beitritt die wohlverdiente Auflösung. (Florian Scheuba, 12.8.2015)

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