Dutzende Tote bei Kämpfen um Damaskus

12. August 2015, 14:57
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Militär griff Rebellen in Vororten der Hauptstadt an – Aufständische schossen Raketen auf Zentrum – Waffenruhe in schwer umkämpften Gebieten im Westen

Damaskus – Syrische Regierungstruppen und Aufständische haben sich am Mittwoch schwere Kämpfe in der Hauptstadt Damaskus geliefert. Bei Luftangriffen der Einheiten von Präsident Bashar al-Assad auf Rebellengebiete in den östlichen Vororten wurden nach Oppositionsangaben mindestens 31 Menschen getötet und weitere 120 verletzt.

Die Rebellen nahmen vor dem Besuch des iranischen Außenministers das Zentrum der Metropole mit Raketen unter Beschuss. Beim Einschlag Dutzender Geschoße gab es nach Berichten von Medien und der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte Tote und Verletzte.

Die amtliche Nachrichtenagentur SANA berichtete unter Berufung auf die syrische Polizei, Rebellen hätten dutzende Raketen auf die Hauptstadt abgefeuert. Dabei seien mindestens fünf Menschen getötet und 55 weitere verletzt worden.

Tote im Zentrum

Laut der in Großbritannien ansässigen Beobachtungsstelle wurden in Damaskus durch mindestens 50 von den Rebellen abgefeuerte Raketen 13 Menschen getötet, 60 weitere seien verletzt worden. Die oppositionsnahe Beobachtungsstelle erhält ihre Informationen von einem Netzwerk von Aktivisten in Syrien, ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

Iranischen Medienberichten zufolge sollte am Mittwoch Außenminister Mohammad Javad Zarif nach Damaskus reisen, um dort über einen neuen Plan zur Beilegung des Bürgerkrieges zu beraten. Der Iran gilt als einer der letzten verbliebenen Verbündeten von Assad in dem mittlerweile seit mehr als vier Jahren andauernden Krieg gegen unterschiedliche Rebellengruppen.

In dem schwer umkämpften Ort Zabadani an der Grenze zum Libanon riefen die Konfliktparteien unterdessen eine zweitägige Waffenruhe aus. Dort sind nach Einschätzung der Vereinten Nationen vermutlich Zivilisten durch die Kämpfe eingeschlossen. Die Feuerpause soll auch für die mehrheitlich von Schiiten bewohnten Dörfer al-Foua und Kefraya in der nordwestlichen Provinz Idlib gelten.

Zabadani ist in der Hand der Aufständischen. Luftangriffe der Regierungstruppen hatten dort nach UNO-Angaben viele Menschen getötet und für massive Zerstörung gesorgt. Die Waffenruhe zwischen den Aufständischen, der Armee und der mit ihr verbündeten libanesischen Hisbollah-Miliz habe am frühen Morgen begonnen, berichtete der Fernsehsender Al-Manar, der der Hisbollah nahesteht.

Zunächst schien die Feuerpause zu halten. "Bis jetzt ist es ruhig", sagte der Chef der Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdulrahman, der Nachrichtenagentur Reuters. Es werde nun weitere Gespräche über die Lieferung von Lebensmitteln nach Kefraya und al-Foua geben, wo Tausende Menschen von den Aufständischen belagert werden.

Zabadani liegt etwa 45 Kilometer nordwestlich von Damaskus. Die Rückeroberung des Ortes war Ziel einer wochenlangen Offensive der Regierungstruppen und der Hisbollah. Die beiden mehrheitlich von Schiiten bewohnten Dörfer in Idlib waren von einem sunnitischen Rebellenbündnis angegriffen worden, dem sowohl Ahrar al-Sham als auch die mit al-Kaida verbündete Nusra-Front angehören.

AI wirft Regime Kriegsverbrechen vor

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warf der syrischen Regierung unterdessen am Mittwoch Kriegsverbrechen gegen die Bevölkerung von Ost-Ghouta vor. Die Truppen von Assad bombardieren seit zwei Jahren systematisch die Region. In Syrien sind seit Ausbruch der Gewalt vor gut vier Jahren nach Angaben der Vereinten Nationen von Ende Juli mehr als 250.000 Menschen ums Leben gekommen. (APA, 12.8.2015)

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