So löst eine Heuschrecke das Cocktail-Party-Problem

14. August 2015, 16:09
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Das Zirpen der tropischen Laubheuschrecke Mecopoda elongata könnte im Gedröhn einer verwandten Spezies untergehen, tut es aber nicht

Graz – Der berühmte Cocktailparty-Effekt – also unsere Fähigkeit, aus einem lauten Stimmengewirr eine einzelne Stimme herauszufiltern, um so einem Gespräch folgen zu können -, ist nichts exklusiv Menschliches. Forscher haben nun eine ähnliche Gabe bei Heuschrecken festgestellt, wie die Universität Graz berichtet.

Und zwar nahmen Forscher um Konstantinos Kostarakos vom Institut für Zoologie der Uni Graz die tropische Laubheuschrecke Mecopoda elongata unter die Lupe. Denn der Gesang der Männchen dieser Spezies wird von einer anderen Art gestört, die mit ohrenbetäubenden 100 Dezibel – vergleichbar einem Presslufthammer – zirpt. Hinzu kommt, dass beide den gleichen breitbandigen Frequenzbereich von 2 bis 70 Kilohertz (kHz) nutzen. Außerdem sind die Laute von Mecopoda elongata leiser und kürzer als jene der übermächtig erscheinenden Konkurrenz.

Spezialisierung auf eine Frequenz

Warum die leiseren Laubheuschrecken einander doch nicht im Hintergrundgetöse verlieren, liegt an einer punktuellen Spitze: "Wir haben entdeckt, dass der Gesang von Mecopoda elongata bei der Frequenz von genau 2 kHz lauter ist als jener der störenden Art", berichtet Studienerstautor Kostarakos. "Wird jedoch die Lautstärke bei 2 kHz reduziert, funktioniert die Kommunikation nicht mehr."

Kostarakos weiter: "Gleichzeitig konnten wir feststellen, dass die Heuschrecke Sinneszellen im Gehörorgan hat, die auf 2 kHz abgestimmt sind." Das heißt, die ein bis drei Sinneszellen, die auf diese Frequenz ansprechen, sind von besonderer Bedeutung. Von ihnen gelangt die Information dann über Nervenzellen ins Gehirn zur weiteren Verarbeitung. Diese Nervenzellen sind ebenfalls auf 2 kHz spezialisiert.

Somit kann das Insekt, das insgesamt nur über 40 Sinneszellen in seinem Gehörorgan verfügt, den Cocktailparty-Effekt ähnlich gut meistern wie der Mensch mit seinen 13.000. (red, 14. 8. 2015)

  • Die Laubheuschrecke Mecopoda elongata setzt auf eine bestimmte Frequenz, um nicht unterzugehen.
    foto: wolfgang gessl, zoologie/uni graz

    Die Laubheuschrecke Mecopoda elongata setzt auf eine bestimmte Frequenz, um nicht unterzugehen.

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