Fleischfressende Pflanze findet Geschmack an invasiver Hornisse

12. August 2015, 12:52
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Zwei von anderen Kontinenten eingeschleppte Arten finden in Europa zusammen – Invasion der Bienenfresser lässt sich damit jedoch nicht stoppen

Nantes – Vor zehn Jahren tauchte erstmals die aus Südostasien stammende Hornissenart Vespa velutina nigrithorax in Europa auf. Ausgehend vom Südwesten Frankreichs, vergrößert sich seitdem das Verbreitungsgebiet der invasiven Tiere, die in den Schlagzeilen kurz als "Asiatische Hornissen" firmieren.

Mit etwa zweieinhalb Zentimetern Körperlänge sind die schwarz-golden gefärbten Tiere etwas kleiner als heimische Hornissen. Allerdings machen sie Jagd auf Honigbienen und gelten daher in Frankreich und dessen Nachbarländern als potenzielle Bedrohung für Bienenvölker.

Unerwartete Spezialisierung

Im Kampf gegen den räuberischen Bioinvasor ist man nun auf einen unerwarteten Verbündeten gestoßen – der allerdings selbst ein Fremdling in Europa ist. Wie die BBC berichtet, wurden in Frankreich tote Asiatische Hornissen im Inneren von fleischfressenden Schlauchpflanzen (Sarracenia) gefunden. Letztere stammen aus Nordamerika, haben sich aber zu beliebten Zierpflanzen entwickelt und sind in Europa daher vielerorts zu finden.

Laut Romaric Perrocheau, Leiter des botanischen Gartens von Nantes, fängt die Schlauchpflanze Vespa velutina nigrithorax, nicht jedoch heimische Hornissen, Wespen oder Bienen. Offenbar werden die heimischen Spezies von den Pheromonen und dem Nektar der Pflanze nicht angesprochen. Perrocheau will nun näher untersuchen lassen, welche zufällige chemische Kombination dafür verantwortlich ist, dass zwei Spezies von zwei verschiedenen Kontinenten auf einem dritten derart in Wechselwirkung treten können.

Leider keine Lösung

Eine zwar ortsfremde Pflanze, die aber nicht als Bedrohung für die heimische Flora gilt, spezialisiert sich auf eine schädliche Invasorin: Klingt nach einer praktischen Lösung für ein Umweltproblem. Allerdings kann eine solche Pflanze maximal 50 Hornissen aufnehmen. Die in der Regel in Baumkronen angelegten Nester der Hornissen umfassen jedoch jeweils mehrere tausend Individuen. Zudem bleibt abzuwarten, ob sich Perrocheaus Beobachtung bestätigt und die Schlauchpflanzen tatsächlich nur Invasoren fressen. (red, 12. 8. 2015)


Link
BBC: "Pitcher plant in France eats bee-killing Asian hornets" (mit Fotos der Schlauchpflanzen und ihrer toten Beute"

  • Sarracenia sehen wie Mini-Triffids aus. In ihren Schläuchen fangen sie vom Duft angelockte Insekten und verdauen diese.
    foto: apa/epa/radek pietruszka

    Sarracenia sehen wie Mini-Triffids aus. In ihren Schläuchen fangen sie vom Duft angelockte Insekten und verdauen diese.

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