Inselkauf: Wie man zum eigenen Eiland kommt

24. August 2015, 08:48
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Noch nie war es so einfach, Urlaub auf der eigenen Insel zu machen. Man kauft sie zum Beispiel beim Kaffeeröster

"Verkauft doch eure Inseln, ihr Pleite-Griechen!" Der alte Vorschlag der Bild-Zeitung war 2010 so sinnvoll, wie es heute die Warnung wäre, besser gar keinen Urlaub mehr auf griechischen Eilanden zu planen. Sie könnten ja schon morgen an privat verscherbelt sein, behaupten andere Panikmacher.

Viel war in den letzten Wochen über den Abverkauf in der Ägäis zu lesen. Einiges davon ist abstrus: Finanzkaliber wie Warren Buffett könnten quasi im Alleingang Hellas’ Haushalt sanieren, indem sie in Inseln investieren. Aber schnappen sich schlaue Spekulanten nicht besser Dinge, die gerade niemand will? Davon kann bei griechischen Inseln keine Rede sein. Erst vor zwei Wochen hat Fußballer Cristiano Ronaldo seinem Berater Jorge Mendes eine zur Hochzeit geschenkt, weil Landmasse im Meer gerade in Mode ist.

foto: corbis/imagebroker/peter sürth
Peter Sürth hat für Corbis eine Insel im Tiroler Fernsteinsee fotografiert. Sie ist trotz bester Lage und Ausstattung mit Nadelholz derzeit nicht verkäuflich.

Rund acht Prozent der Inseln auf griechischem Staatsgebiet gehören Privatleuten. Tatsächlich kommen derzeit nur diese für einen Verkauf infrage, weil ein Gesetz aus dem Jahr 2013 – zumindest noch – verhindert, dass Griechenland private Eigentümer für seine Eilande sucht. Aber dass alte griechische Clans den Markt mit Gebrauchtinseln aus Familienbesitz überschwemmen, ist nicht der Fall. Vorher müssten sie zweifelsfrei nachweisen, dass das gegenständliche Eiland seit 1874 ununterbrochen in ihrem Besitz steht – keine Selbstverständlichkeit in diesem Land. Sollte es ihnen dennoch gelingen, kann vor dem Verkauf noch jederzeit die Forstbehörde oder das Militär daherkommen und Einspruch gegen eine Veräußerung erheben.

Konsultiert man als Interessent Marktkenner wie Farhad Vladi, den weltweit erfolgreichsten Inselmakler mit Büros in Hamburg und Halifax, wird er – mit Ausnahme der eigenen Bestände – vom Kauf in Griechenland abraten. Wer dort zuschlagen will, stolpere mit großer Wahrscheinlichkeit über hohe bürokratische Hürden. Eher empfiehlt der Chef des Unternehmens Vladi Private Islands, das in 40 Jahren schon 2.650 Eilande verscherbelt hat, unkompliziertes Islandshopping in Polynesien, Skandinavien oder Kanada, wo das bisher günstigste Exemplar – ein Steinhaufen mit Hühnerstall drauf – um 1.000 Euro den Besitzer wechselte.

Insel im Internet bestellen

Das Eigeneiland zum Preis eines Autos war jedenfalls nie einfacher zu haben als jetzt. Vladi selber hat das vorangetrieben – durch eine strategische Partnerschaft mit Tchibo. Seit Anfang Juli listet der Kaffeeröster in seinem Onlineshop neben bequemen Yogamatten auch urgemütliche Inseln. Ein erster Schäppchenjäger hat zugeschlagen und den Billigsdorfer im Sortiment, ein maritimes Eiland für Naturliebhaber an der kanadischen Atlantikküste, um wohlfeile 60.000 Euro bestellt.

Für die Inselgruppe Anukkasaari im finnischen Saimaasee um 341.000 Euro hat sich noch kein Abnehmer gefunden.

Ein rotes "Verkauft"-Schild pickt bereits auf dem Online-Steckbrief des 8.000 Quadratmeter großen Grundstücks. Für die Inselgruppe Anukkasaari im finnischen Saimaasee um 341.000 Euro hat sich dagegen noch kein Abnehmer gefunden. Dabei verfügen zwei von drei der dichtbewaldeten Mugel dieses Archipels über eine eigene Sauna.

Das Paradies kann auch öd sein

Mit denselben billigen Tricks wie Gebrauchtwagenhändler arbeiten Broker für abgenutzte Atolle nicht. Ganz im Gegenteil – eher raten sie vorher zur Miete. Immerhin acht von zehn Interessenten würden sich danach nämlich gegen den Kauf entscheiden. Vielen Otto Normalinselinteressenten, die sich nur wenige Hundert Quadratmeter leisten könnten, ist das käufliche Paradies dann auf einmal zu öd.

Also soll man die Insel, auf der man in Zukunft Urlaub machen möchte, nun kaufen oder nicht? Wer eine haben will, ist jedenfalls gut beraten, diese zu teilen. Pink-Floyd-Urgestein Roger Waters etwa gehört das sandige Bahamas-Kleinod Bonds Cay nicht alleine. Kollegin Shakira und Popstar Alejandro Sanz haben sich ebenfalls beteiligt, weil eh keiner länger als ein paar Wochen pro Jahr dort sein kann.

Von Inseln wie dieser gibt es an der kanadischen Atlantikküste rund um Halifax tausende zu kaufen.

Neidisch muss man auf prominente Inselbesitzer übrigens auch nicht sein. Nicht einmal Ronaldos Freund Mendes wird sein Hochzeitsgeschenk für seine Gattin und sich ganz alleine haben. Auf griechischen Inseln darf ja jeder Dahergelaufene sein Strandtuch ausbreiten. Der freie Zugang zum Meer ist dort gesetzlich verankert. (Sascha Aumüller, Rondo, 13.8.2015)

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