Schneller behandeln bei einem Schlaganfall

12. August 2015, 09:49
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Kombinationslösung: Computertomographie und Kathetereingriff im selben Raum bringen laut Medizinern 20 Minuten Zeitersparnis

Heidelberg – Bei der Behandlung des Schlaganfalls zählt jede Minute. Im Universitätsklinikum Heidelberg ist nun erstmals eine Gerätekombination in Betrieb, die bei schweren Schlaganfällen die Zeit von der Diagnostik bis zum Beginn der Behandlung deutlich verkürzt. Möglich ist das durch eine neu entwickelte und kombinierte Behandlungseinheit aus einem Computertomographen (CT), an den ein mobiler C-Bogen zur Darstellung der Blutgefäße im Gehirn angeschlossen werden kann.

So ist es möglich, an Ort und Stelle einen Katheter-Eingriff vorzunehmen, um Blutgerinnsel aus den Hirngefäßen zu entfernen (Thrombektomie). Der für die Patienten mitunter belastende Transport vom CT-Raum ins Katheterlabor entfällt. Bei den ersten an dieser Gerätekombination behandelten Patienten konnten die Ärzte rund 20 Minuten Zeit einsparen – eine derzeit laufende Studie soll genauere Zahlen liefern.

"Time is brain"

Bei einem schweren Schlaganfall ist die Zeit bis zur effektiven Behandlung entscheidend. Das Motto lautet: "Time is brain", da ohne Wiedereröffnung des Gefäßes pro Minute mehrere Millionen von Nervenzellen absterben. "20 Minuten können dann schon entscheidend beeinflussen, ob der Patient schwere Behinderungen zurück behält oder weiterhin selbständig leben kann", sagt Martin Bendszus, Ärztlicher Direktor der Abteilung Neuroradiologie an der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg.

"Wir gehen davon aus, dass diese Zeiteinsparung die Behandlungsergebnisse bei den besonders schwer betroffenen Schlaganfall-Patienten verbessert. Dies prüfen wir in der aktuell laufenden Studie mit 50 Patienten", ergänzt der Mediziner. Die Kosten für die Umrüstung beschränkten sich auf die Anschaffung der einzelnen Geräte, größere Umbaumaßnahmen oder zusätzlicher Raumbedarf waren laut Uniklinik Heidelberg nicht erforderlich. Das CT kann mit dieser Installation im normalen Routinebetrieb ohne Einschränkungen genutzt werden.

Katheter, wenn Blutverdünnung nicht ausreicht

Die Behandlungsabläufe und -zeiten der ersten fünf Patienten veröffentlichte das Team um Bendszus im Juli 2015 im "Journal of NeuroInterventional Surgery". Demnach vergingen durchschnittlich 35 Minuten von der diagnostischen Bildgebung mittels CT bis zum Start des Katheter-Eingriffs. Vor Anschaffung des neuen CTs waren es im Mittel 57 Minuten, da der Patient zurück auf die Transportliege und ins Katheterlabor gebracht werden musste und ein dort möglicherweise gerade vorgenommener Routineeingriff erst noch unterbrochen werden musste.

Nun bleibt der Patient im selben Raum, sogar auf derselben Liege. Das mobile digitale Durchleuchtungsgerät (C-Bogen), mit dem die Neuroradiologen den Verlauf des Kathetereingriffs kontrollieren, wird in den CT-Raum gebracht, angeschlossen und der Eingriff kann beginnen. Das Katheterverfahren hilft, wo Blutverdünnung nicht ausreicht.

Zeitfenster: Bis zu sechs Stunden

Ursache ist bei den meisten Schlaganfall-Patienten ein akuter Durchblutungsstopp im Gehirn, weil ein Blutgerinnsel eine Hirnarterie verstopft. Als Standardtherapie, die innerhalb der ersten viereinhalb Stunden wirksam ist, gilt die sogenannte Thrombolyse mit einem Medikament, so dass sich das Blutgerinnsel auflöst.

Bei Patienten mit Verschluss eines der großen Hirngefäße reicht das häufig nicht aus. Besonders sie sollen von der Thrombektomie profitieren, bei der die Neuroradiologen über einen Katheter und unter Röntgenkontrolle das Gerinnsel aus dem Gefäß herausziehen. Diese Therapie ist bis zu etwa sechs Stunden nach Auftreten der Schlaganfall-Symptome sinnvoll. Insgesamt gilt: Je später die Patienten behandelt werden, desto schlechter sind die Chancen auf ein späteres Leben ohne Behinderung. (red, 12.8.2015)

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