Tiefroter Donnerstag für den ATX

20. August 2015, 18:07
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Wiener Leitindex rutscht fast zwei Prozent ab, Sorgen um Chinas Konjunktur und unklare US-Zinswende verunsichern Anleger

Wien – Die Wiener Börse hat am Donnerstag tiefrot geschlossen. Der ATX fiel 48,59 Punkte oder 1,99 Prozent auf 2.395,12 Einheiten. Damit lag die tatsächliche Entwicklung des Leitindex rund 27 Punkte unter der heutigen Händlerprognose im APA-Konsensus von 2.422,00 Punkten.

Zum Vergleich die wichtigsten Börsenindizes um 17.30 Uhr: Dow Jones/New York -1,25 Prozent, DAX/Frankfurt -2,53 Prozent, FTSE/London -0,64 Prozent und CAC-40/Paris -2,16 Prozent.

Bereits die Vorzeichen von den asiatischen Handelsplätzen waren schwach ausgefallen: In Shanghai ging die chinesische Festlandsbörse mit einem Minus von knapp 3,5 Prozent aus dem Handel, obwohl die Zentralbank erst am Vortag ein milliardenschweres Banken-Stützungspaket angekündigt hatte. Die Handelsplätze in Europa reihten sich allesamt in das Feld der Verlierer, der Frankfurter DAX sank auf sein tiefstes Niveau seit Jänner. Verstärkt wurde der Negativtrend von der Ankündigung, dass es in Griechenland am 20. September vorgezogene Parlamentswahlen geben wird. Zudem verwiesen Börsianer auf die einmal mehr offen gelassene Frage, wann denn die Zinsen in den USA angehoben werden.

Denn ein unklares Bild, wann denn nun die Zinswende in den USA beginnen werde, hinterließ nicht nur das Fed-Sitzungsprotokoll vom Vortag: Auch die im Tagesverlauf publizierten Konjunkturdaten aus den USA fielen durchwachsen aus. Zwar hellte sich das Geschäftsklima in der Region Philadelphia im August überraschend deutlich auf und auch die Verkäufe bestehender Häuser stiegen im Juli unerwartet weiter. Jedoch ist der Sammelindex der wirtschaftlichen Frühindikatoren im Juli überraschend gefallen. Zum Vormonat sank sich der Index um 0,2 Prozent, Volkswirte hatten hingegen mit einem Anstieg um 0,2 Prozent gerechnet. Auch die Daten zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe für vergangene Woche enttäuschten.

Unterdessen steht in Wien die Berichtssaison weiter im Fokus: Der Ölfeldausrüster SBO hat in der Früh bekanntgegeben, beim Gewinn nur knapp über der Nulllinie zu liegen. Das Halbjahresergebnis je Aktie betrug 2014 noch 1,90 Euro, heuer gibt es keinen Gewinn auszuweisen. Das Betriebsergebnis (EBIT) ging um 57,6 Prozent auf 19,3 Mio. Euro zurück. Die SBO-Aktie verloren 0,97 Prozent auf 43,05 Euro.

Nach einer Telefonkonferenz zeigen sich die Analysten der Berenberg Bank in ihrer bereits pessimistischen Einschätzung für die SBO-Aktie und bestätigen ihre Verkaufsempfehlung sowie ihr 40-Euro-Kursziel. Der Konzern habe seit Dezember um 26 Prozent weniger Mitarbeiter und wolle auch die Kapazitäten drosseln, um der Krise an den Ölmärkten beizukommen. Besondere Sorgen bereitet den Berenberg-Experten jedoch der Preisdruck. Für diesen sei die SBO besonders anfällig und es werde schwer, bei einer erwartbaren Markterholung zwischen 2016 und 2017 wieder an die Margen vor der Krise zu kommen. Daher bezweifeln sie, dass die SBO in den nächsten drei bis vier Jahren an ihre EBIT-Margen vor der Krise herankommt – "falls überhaupt jemals".

Raiffeisen verloren 2,69 Prozent, nachdem sie am Vortag nach Zahlen klare 6,86 Prozent hochgeschnellt waren. Die Analysten von Nomura haben daraufhin ihre Verkaufsempfehlung "Neutral" und ihr Kursziel von 14 Euro unverändert belassen. Zwar wies die harten Kernkapitalquote (CET1) der RBI eine starke fortlaufende Entwicklung auf, schreiben die Analysten von Nomura, diese sei jedoch auch von der Entwicklung der Devisenkurse im zweiten Quartal gestützt. Zudem verweisen sie auf die schwache Entwicklung der RBI-Aktien insbesondere seit dem 30. Juni. Auch die Analysten von Barclays behielten ihr Kursziel von 13,2 Euro und ihre neutrale Einstufung "Equal Weight" bei. (APA, 20.8.2015)

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