Yuan-Abwertung lässt Märkte erzittern

12. August 2015, 16:04
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Die erneute Abwertung der chinesischen Landeswährung Yuan schürt die Sorge um Chinas Wirtschaft – an den Aktienbörsen ging es bergab

Peking – Chinas Zentralbank hat den Yuan (Renminbi) mit einem erneuten Eingreifen auf Talfahrt geschickt. Die Bank setzte Mittwochfrüh den Referenzkurs auf 6,3306 Yuan pro Dollar fest – ein Abschlag für die chinesische Währung von 1,6 Prozent im Vergleich zum Vortag. Der Yuan ist zum Dollar auf ein Vier-Jahres-Tief gefallen, was chinesischen Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil auf den internationalen Märkten verschafft und US-Firmen belastet. Die großen amerikanischen Autobauer GM und Ford verloren ein bis zwei Prozent an Wert.An den Aktienbörsen in Europa und Asien ging es am Mittwoch ordentlich bergab, auch die Rohstoffpreise gerieten ins Rutschen.

Der Schritt zieht auch die Wall Street nach unten. Börsianer sagten am Mittwoch, die Sorgen vor einem Währungskrieg und einer merklichen Abkühlung der Weltwirtschaft nähmen zu. Wenn die chinesische Zentralbank den Yuan so stark fallen lasse, "müssen die Sorgen um die Wirtschaft schon groß sein", urteilte Masashi Murata von der US-Privatbank Brown Brothers Harriman. NordLB-Analyst Frederik Kunze sieht es genauso: Die Maßnahmen der chinesischen Zentralbank ließen Zweifel an der konjunkturellen Verfassung Chinas aufkommen, erkläre er. Die Volksrepublik ist einer der wichtigsten Absatzmärkte für Europa und die USA – mit der Abwertung des Yuan werden Exporte nach China teurer, chinesische Waren auf dem Weltmarkt dagegen wettbewerbsfähiger.

Dienstag erster Schritt

Bereits am Dienstag hatte die Bank den Referenzkurs um 1,9 Prozent gesenkt, und damit den Yuan im Verhältnis zum US-Dollar auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren geschickt.

Unklarheit herrscht nun darüber, ob noch weitere Abwertungsschritte folgen. Die Zentralbank schrieb zwar am Mittwoch in einer Stellungnahme: "Momentan gibt es keine Basis dafür, die Abwertung des Wechselkurses fortzusetzen." Allerdings hatten die Geldwächter schon bei der Intervention am Vortrag betont, dass es sich um eine "einmalige Maßnahme" handle.

Analysten glauben, dass der schwächere Yuan der Exportindustrie des Landes helfen wird. Die Ausfuhren Chinas waren im Juli um 8,3 Prozent im Vergleich zum Juli des Vorjahres eingebrochen.

Lob vom IWF

Lob für China gab es mittlerweile vom Internationalen Währungsfonds (IWF). Der IWF sieht die neue Methode der chinesischen Zentralbank zur Bestimmung des täglichen Referenzkurses der Landeswährung Yuan positiv. Die Marktkräfte dürften künftig eine größere Rolle bei der Festlegung des Wechselkurses haben, teilte der IWF am Mittwoch mit. Dies sei ein "willkommener Schritt" in Richtung einer größeren Flexibilität. Der Fonds gehe davon aus, dass China in zwei bis drei Jahren ein frei schwankendes Wechselkurssystem haben könnte.

Im Kampf gegen die schwächelnde Wirtschaft hatte China am Dienstag weitere Register gezogen. Die Notenbank wertete den Yuan nach einer Reihe schwacher Konjunkturdaten um zwei Prozent ab. Damit sollen chinesische Waren auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger und die heimische Wirtschaft angekurbelt werden. Am Mittwoch erlaubte die chinesische Zentralbank, dass der Yuan den zweiten Tag in Folge fällt.

An Dollar gebunden

Der Yuan ist keine frei schwankende Währung wie etwa der Euro. Vielmehr ist er an den Kurs des Dollar gebunden: Die Zentralbank bestimmt arbeitstäglich einen Referenzkurs, um den der Yuan um maximal zwei Prozent schwanken darf. Am Dienstag legte sie ihn auf 6,2298 Yuan je Dollar fest, nach 6,1162 Dollar am Montag – die bisher größte Anpassung binnen eines Tages. (APA, 12.8.2015)

  • China wertet seine Währung erneut ab.
    foto: reuters

    China wertet seine Währung erneut ab.

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