Hisbollah und Rebellen handelten Feuerpause im Nordwesten Syriens aus

12. August 2015, 06:26
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48 Stunden Waffenruhe in mehreren umkämpften Städten laut Angaben von Aktivisten vereinbart

Beirut – Islamistische Aufständische und regierungstreue Truppen haben nach Angaben von Aktivisten für mehrere umkämpfte Städte im Nordwesten Syriens eine 48-stündige Waffenruhe vereinbart.

Die Vereinbarung vom Dienstagabend gelte ab Mittwochmorgen um sechs Uhr Ortszeit für die Stadt Sabadani und die Ortschaften Fuaa und Kafraja, erklärte der Chef der in Großbritannien ansässigen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman.

Ausgehandelt wurde die Feuerpause demnach zwischen der mächtigen Islamistengruppe Ahrar al-Scham und örtlichen Rebellen sowie der Schiitenmiliz Hisbollah, die den syrischen Staatschef Bashar al-Assad unterstützt.

Offensive seit Juli

Die Hisbollah hatte im Juli mit Regierungstruppen eine erbitterte Offensive gestartet, um Sabadani zurückzuerobern. Die schiitischen Dörfer Fuaa und Kafraja in der Provinz Idlib zählen zu den letzten Orten der Region unter der Kontrolle der syrischen Regierung. Als Reaktion auf die Offensive gegen Sabadani wurden sie von einem Rebellenbündnis namens Armee der Eroberung belagert.

Laut der Beobachtungsstelle verhandeln die beiden Konfliktlager derzeit über einen Rückzug der Rebellen aus Sabadani und ein Ende der Belagerung von Fuaa und Kafraja. Die Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von einem Netzwerk von Ärzten und Aktivisten in Syrien. Für Medien sind ihre Angaben kaum nachprüfbar.

Amnesty: Assad begeht Kriegsverbrechen

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warf regierungstreuen Truppen derweil Kriegsverbrechen in Ost-Ghuta unweit der Hauptstadt Damaskus vor. In der von ihnen belagerten Region kämpften 163.000 Menschen ums Überleben, erklärte Amnesty am Mittwoch. Sie litten unter dem Mangel an Lebensmitteln und Medikamenten sowie regelmäßigen Bombardements. Hunger werde hier als "Kriegswaffe" eingesetzt.

Amnesty hat nach eigenen Angaben Beweise für Kriegsverbrechen der Regierung in der Region sowie für Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Form von willkürlichen Hinrichtungen. Die Menschenrechtsgruppe warf aber auch der Rebellengruppe "Armee des Islam" Vergehen vor. Bewohner von Ost-Ghuta hätten berichtet, dass die Aufständischen Lebensmittel horteten und für Entführungen und willkürliche Festnahmen verantwortlich seien.

Ost-Ghuta wird bereits seit zwei Jahren von regierungstreuen Truppen belagert, in den vergangenen Monaten wurde die Blockade weiter verschärft. Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien im März 2011 wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle mehr als 240.000 Menschen getötet. (APA, 12.8.2015)

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