1:4 – Ried ergibt sich Salzburg

11. August 2015, 20:37
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Im Aufeinandertreffen zweier bisher noch sieglosen Teams setzen sich die Gäste klar durch, Minamino und Damari trafen jeweils doppelt. Im Lager des Meisters kann aufgeatmet werden

Ried/Wien – Salzburg tat am Dienstagabend in Ried, was Salzburg immer tut. Und das Pressen und hoch Stehen machte sich nach einer Minute des Bundesliga-Spiels der vierten Runde beinahe schon bezahlt: Takumi Minamino kam nach Ballgewinn tief im Rieder Territorium gegen Tormann Thomas Gebauer um nur einen Schritt zu spät.

Nach neun Minuten zangelte sich Yordi Reyna gegen Petar Filipovic in den Strafraum, Gebauer rettete erneut. Es hätte da bereits klingeln sollen, es klingelte kurz darauf: nach einem Corner vergaßen die Rieder auf den im Rückraum positionierten Minamino, der nicht lange fackelte und mit einer nicht unbedingt scharfen, jedoch umso präziseren Direktabnahme zur Salzburger Führung einschoss. (10.).

Die Gastgeber fanden weiterhin nicht statt. Gebauer konfrontierte weit vor seinem Gehäuse Reyna, den er auch tatsächlich an einer Ballannahme hindern konnte (14.). Red Bull hielt Tempo und Betriebsamkeit hoch, war sichtlich bemüht, die Führung auszubauen.

Ausgleich gar nicht unmöglich

Doch da Salzburg auch hinten tat, was es zuletzt zumindest sehr häufig tat, wurde Ried gleich bei einem seiner ersten Entlastungszügen gleich gefährlich. Beide Außenbahnen waren nicht besetzt, Dieter Elsneg von rechts und Oliver Kragl von links konnten so jeweils den in der Mitte platzierten Daniel Sikorski suchen – wenn er auch nicht gefunden wurde. Trotzdem bekam man eine Ahnung, dass der diesmal aufgebotene Alexander Walke im Salzburg-Tor doch eine Daseinsberechtigung haben könnte. Speziell bei hohen Bällen wurde die Verwundbarkeit der Salzburger Hintermannschaft wiederholt offensichtlich.

Sikorski wurde dann gleich noch zweimal auffällig, nach einem Freistoß von Elsneg nahe dem Elfmeterpunkt völlig frei, traf er den Ball nicht richtig. Ried schickte sich also an Chancen zu, nun ja, kreieren. Allerdings stellte man sich defensiv gleichzeitig reichlich naiv an und schläfrig auf. Ein Pass Andreas Ulmers in die Tiefe überwand sämtliche Innviertler Linien und zwang damit Omer Damari, auch am Spiel teilzunehmen. Die bis dahin weitgehend unsichtbare zweite Salzburger Spitze machte auch nichts falsch, cool ward der Keeper verladen – 0:2 und erster Treffer des Israelis für seinen neuen Klub (26.).

Defensiv-Defätismus

Ried nun ganz arm: Alberto Prada ließ ein Zuspiel auf Filipovic verhungern, Minamino spritzte dazwischen, Reyna lief allein auf Gebauer zu – und vergab zum wiederholten Mal (34.). Minamino machte es erneut besser und zeigte, dass er auch Schärfe zu bieten hat: quasi aus dem Stand hämmerte er den Ball aus großer Distanz in die Maschen (38.).

Es wurde Schlag auf Schlag gegeben, Minamino schickte Stefan Lainer auf die Reise, dieser überlief Prada mühelos, passte herein und da war wieder Damari – 4:0. Von einer Rieder Abwehr konnte keine Rede sein, Unterstützung durch Vorderleute fand nicht statt. Die Salzburger dürften sich über die ihnen so freigiebig gewährten Räume sowie die höfliche Körperlosigkeit der Gastgeber durchaus gewundert haben. Stefan Reiter, Rieds-Manager, blieb zur Pause nur die Hoffnung, die Bullen mögen angesichts des Zwischenstands etwas zurückschalten.

Zunächst aber war davon nichts zu bemerken, nach wie vor gingen die Salzburger ihrer Arbeit mit Agilität und voller Lust nach. Nach etwas mehr als einer Stunde kam Jonatan Soriano für Damari (drei Torschüsse, zwei Goals) und damit zu einem Comeback nach langwieriger Wadenverletzung. Der junge Dimitri Oberlin ersetzte Reyna.

Das Spiel trudelt aus

Langsam begann sich der Eventcharakter in Richtung Exhibition zu entwickeln, die heiße Luft entwich zusehends. Ried kam gar zu vereinzelten Abschlüssen. Salzburg hatte den Fuß vom Gas genommen, schaffte es aber immerhin, die Konzentration in ausreichendem Maße aufrecht zu erhalten. Zumindest bis kurz vor Schluss, denn da schnappte sich der eingewechselte Fabian Schubert den Ball und ließ dem sicheren Walke mit einem Schuss von der Strafraumgrenze keine Chance (89.), 1:4. Der missachtete Patrick Möschl hätte gar noch weiter verkürzen können, brachte aber nur einen Roller zustande (90.). Das war's, Salzburg konnte zum ersten Mal gewinnen und hat damit sein Punktekonto auf nunmehr vier Zähler vervielfacht. Salzburg-Trainer Peter Zeidler bei Sky: "Junge Mannschaften steigern sich schnell. Wir haben die Pflicht immer besser zu werden." (Michael Robausch – 11.8. 2015)

Fußball-tipico-Bundesliga (4. Runde):
SV Ried – Red Bull Salzburg 1:4 (0:4). Ried, Keine Sorgen Arena, 4.720 Zuschauer, SR Kollegger.

Tore: 0:1 (10.) Minamino, 0:2 (26.) Damari, 0:3 (38.) Minamino, 0:4 (43.) Damari, 1:4 (89.) Schubert

Ried: Gebauer – Janeczek, Trauner, Filipovic, Prada (46. Möschl) – Elsneg, Streker (46. Ziegl), Polverino, Kragl – Gavilan (76. Schubert), Sikorski

Salzburg: Walke – Lainer, Caleta-Car, Hinteregger, Ulmer – Schmitz, Keita (80. Laimer) – Minamino, Atanga – Damari (66. Soriano), Reyna (66. Oberlin)

Gelbe Karten: Ziegl bzw. Lainer

  • Minamino traf wie Kollege Damari doppelt, dies war sein erster Streich.
    foto: apa/expa/hackl

    Minamino traf wie Kollege Damari doppelt, dies war sein erster Streich.

  • Ried-Manager Stefan Reiter blieb nur die Gratulation an Peter Zeidler. Der Salzburg-Trainer hatte sein Team umgebaut:  Im Mittelfeld kam Benno Schmitz zentral für Christoph Leitgeb zum Einsatz, im Sturm bekamen Atanga und Minamino den Vorzug gegenüber Felipe Pires und Valon Berisha.
    foto: apa/expa/hackl

    Ried-Manager Stefan Reiter blieb nur die Gratulation an Peter Zeidler. Der Salzburg-Trainer hatte sein Team umgebaut: Im Mittelfeld kam Benno Schmitz zentral für Christoph Leitgeb zum Einsatz, im Sturm bekamen Atanga und Minamino den Vorzug gegenüber Felipe Pires und Valon Berisha.

  • Nach der Partie pflegten die Rieder noch gepflegten Austausch mit den recht verständnisvollen Anhängern.
    foto: apa/expa/hackl

    Nach der Partie pflegten die Rieder noch gepflegten Austausch mit den recht verständnisvollen Anhängern.

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