Rassismusvorwürfe am idyllischen Badesee

12. August 2015, 05:30
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Südsteiermark: Badeaufseher am Sulmsee soll eine Migrantenfamilie grob beschimpft haben

Graz – "Pass auf, was du sagst, hab ich zu meinem Mitarbeiter gesagt, man kann heute nicht mehr alles sagen, die Zeiten sind andere geworden", räsoniert Franz Prasser. Der Gastwirt, der am idyllisch gelegenen südsteirischen Sulmsee ein Restaurant samt angeschlossenem Strandabschnitt führt, sieht sich seit dem Wochenende mit schweren Vorwürfen gegen seinen Badeaufseher konfrontiert.

Elke S., eine Urlauberin aus Wien, hatte sich per E-Mail an Prasser gewandt – wegen rassistischer Pöbeleien des Mitarbeiters. Dieser habe eine Migrantenfamilie arg beschimpft und sie aus dem Badebereich geschmissen.

"Ich schwamm gerade mitten im See, da wurde ich auf wüstes Toben eines Mannes am Uferstrand aufmerksam. Er schrie und schimpfte und machte eine Familie mit mehreren Kindern, insbesondere den Vater, zur Sau. Ich hörte den Vater immer wieder sagen: 'Es sind doch nur Kinder. Es sind doch nur Kinder.' Der Mann raste aber weiter und schimpfte, sie sollen sofort abhauen und überhaupt nie wieder hierher kommen", erinnert sich die Urlauberin. Im Nachhinein habe der Badeaufseher geflucht, "dass es überall nur noch Ausländer gibt und wir von Ausländern und Muslimen überschwemmt werden, wenn wir nicht aufpassen".

"Aussage gegen Aussage"

Der eigentliche Anlass soll ein Luftballon gewesen sein, der zerplatzt auf der Wiese lag. "Die Kinder haben ja noch gespielt, ich nehme an, dass sie ihn, wenn sie gegangen wären, ohnehin aufgehoben hätten", sagt S.

"Ich bin dem Ganzen natürlich nachgegangen, nachdem mir die Urlauberin auch eine E-Mail mit den Vorwürfen geschrieben hat", sagt Franz Prasser im Gespräch mit dem STANDARD. Sein Mitarbeiter, der für die "Sicherheit und Sauberkeit" am Badestrand zuständig sei, habe ihm versichert, dass er "diese Worte nicht gesagt hat". Franz Prasser: "Ob die Äußerungen wirklich so gefallen sind, kann ich einfach nicht sagen, da steht es Aussage gegen Aussage."

Sicher sei nur, dass er seinen Mitarbeiter nicht, wie von der Urlauberin gefordert, feuern werde. "Das werde ich sicher nicht tun. Er arbeitet seit 17 Jahren bei mir und man muss froh sein, dass man noch solche fleißigen Mitarbeiter hat. Es gibt überhaupt keinen Grund, ihn hinauszuschmeißen", sagt Prasser. Der Mitarbeiter habe den Vorfall zudem "ganz anders" geschildert. Die Kinder hätten sich in einem gefährlichen Bereich aufgehalten, und er habe die Familie darauf hingewiesen.

"Wir legen Wert auf Sauberkeit"

"Außerdem ist Unrat auf der Wiese gelegen. Wir legen – das müssen Sie wissen – größten Wert auf Sauberkeit. Es ist Eintritt frei, und ich verlange von jedem, dass er sich an die Sauberkeit hält", sagt Prasser, der die Sache auch grundsätzlich kommentieren möchte: " Es wird heute halt jedes Wort auf die Waagschale gelegt. Es sind schwierige Zeiten. In Leibnitz leben 40 Asylanten. Die Stimmung ist dort aufgeheizt, weil jetzt jede Menge Gerüchte auftauchen. Mal soll ein Fahrrad gestohlen worden sein, mal was anderes. Andererseits hab ich einen Kebabstand. Da bekomme ich wieder ganz arge E-Mails von Rechtsextremen, die glauben, ich bin ein Türke. Ich weiß nicht, wohin das alles noch führen wird." (Walter Müller, 12.8.2015)

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