Kos: Zusammenstöße zwischen Flüchtlingen und Polizei

11. August 2015, 16:33
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Feuerlöscher und Schlagstöcke eingesetzt – Politiker beklagen dramatische Zustände

Athen – Auf der griechischen Ferieninsel Kos ist es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Flüchtlingen gekommen. Polizisten gingen mit Schlagstöcken und Feuerlöschern gegen Migranten vor, um sie auseinanderzutreiben. Zuvor war es im Stadion der Insel aus ungeklärter Ursache zu Handgemengen gekommen. Die Flüchtlinge, darunter viele Kinder, waren angewiesen worden, sich in das Stadion zu begeben, um auf ihre Papiere zu warten.

"Hölle auf Erden"

"Für die Flüchtlinge ist die Unterbringung auf Kos gerade die Hölle auf Erden", sagte die deutsche Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag nach Gesprächen mit örtlichen Verantwortlichen, Helfern und Flüchtlingen auf Kos.

"Hier herrscht Chaos. Und die Spannungen werden immer größer." In einem Brief an die griechische Regierung warnte der Bürgermeister der Insel, Giorgos Kyritsis, vor einem Blutvergießen. Roth war am Montag zu einem zweitägigen Besuch nach Kos gereist, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Hunderte Migranten kommen täglich von der wenige Seemeilen entfernten türkischen Küste auf die Insel. Hilfsorganisationen, der Staat und die Bevölkerung sind restlos überfordert. Ähnlich ist die Situation auf zahlreichen anderen Inseln im Osten der Ägäis.

Erste Hilfe verweigert

Roth beklagte, für die Flüchtlinge auf Kos gebe es keine Versorgung. "Es fehlt an allem", sagte sie. "Das ist eine Verweigerung von Erster Hilfe für die Flüchtlinge." Die Menschen bräuchten dringend Essen, Kleidung, Unterkünfte und eine medizinische Versorgung. Es gebe die fast kafkaeske Situation, dass verschiedene Stellen zuständig seien, aber der eine die Verantwortung zum anderen schiebe. Und die Hilfsorganisationen und ehrenamtlichen Helfer seien allmählich am Ende ihrer Kräfte.

Flüchtlinge, die auf der Straße und in Parks campierten, würden von dort verscheucht und in ein kleines Stadion auf der Insel geschickt, berichtete Roth. Dort sei es barbarisch heiß. Es gebe nur zwei Toiletten für Hunderte Flüchtlinge. "Das ist unmenschlich", sagte sie. "Ich habe so etwas noch nie gesehen." Die Lage sei wirklich dramatisch. "So kann es nicht weitergehen."

Roth appellierte an die Regierung in Athen, sich endlich um eine Versorgung der schutzsuchenden Menschen zu kümmern. "Die Tragik ist, dass zwei Krisen zusammenkommen", sagte die Grünen-Politikerin. Die griechische Regierung müsse aber trotz der Finanzkrise dringend handeln. Auch Europa müsse helfen. Aber ebenso sei die kommunale Ebene gefragt.

Warnung vor Blutvergießen

Der Bürgermeister von Kos schrieb in seinem Brief an die Regierung in Athen, auf der Insel seien mehr als 7.000 Migranten angekommen. Man könne mit dem Problem nicht mehr fertig werden. "Ich warne davor, die Gefahr eines Blutvergießens ist real", erklärte Kyritsis. Der Brief wurde am Dienstag in der griechischen Presse veröffentlicht (APA, dpa, 11.8.2015)

  • Die Behörden setzten Löschschaum gegen die Flüchtlinge ein.
    foto: ap photo/yorgos karahalis

    Die Behörden setzten Löschschaum gegen die Flüchtlinge ein.

  • Ein syrisches Mädchen inmitten zahlreicher anderer Flüchtlinge im Stadion auf der Insel Kos.
    foto: reuters/ yannis behrakis

    Ein syrisches Mädchen inmitten zahlreicher anderer Flüchtlinge im Stadion auf der Insel Kos.

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