In 143 Tagen rund um Österreich

12. August 2015, 05:30
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Zwei Frauen wanderten 3.800 Kilometer und 152.000 Höhenmeter der Grenze entlang

Salzburg – Im zweiten Anlauf haben Gertrude Reinisch-Indrich und Christine Eberl ihr im Vorjahr gestartetes Projekt "Grenzgänge" am Dienstag zu Ende gebracht. Die beiden Bergsteigerinnen umrundeten Österreich radelnd, paddelnd, wandernd und kletternd exakt entlang der Grenze im Uhrzeigersinn. 3.800 Kilometer und 152.000 Höhenmeter bewältigten sie in 143 Tagen mittels eigener Körperkraft.

"Man begreift es gar nicht, dass man es geschafft hat", sagt Gertrude Reinisch-Indrich bei ihrer Ankunft am Salzburger Hauptbahnhof Dienstagmittag. Auf dem letzten Gipfel ihrer Tour, dem Berchtesgadener Hochthron auf dem Untersberg, habe sie das Gefühl, es geschafft zu haben, erstmals wahrgenommen. "Wir standen da und sahen über das kleine Deutsche Eck und alle Berge, die wir bereits gegangen sind." Der Blick zurück und nach vorn war auch für Christine Eberl das Spannendste an ihrem gemeinsamen Projekt – begleitet von der Neugierde, wie der Weg an der Grenze weitergehen werde.

Am 31. Mai 2014 haben die beiden Frauen mit ihrer Umrundung Österreichs begonnen. Wie der STANDARD berichtete, mussten die 62-jährige Journalistin Reinisch-Indrich und die 57-jährige Lehrerin Eberl im Oktober 2014 aber den vorläufigen Abbruch des Projekts verkünden. Vier Monate und 3.200 Kilometer waren sie bereits unterwegs, ehe sie den Grenzgang im Bereich des Plansees im Tiroler Bezirk Reutte aufgrund der schlechten Wetterprognosen beenden mussten.

Zugspitze bei 37 Grad

Am 5. Juli 2015 starteten die zwei Frauen erneut von Tirol, um das Projekt abzuschließen. An diesem Tag lag rückblickend auch die anstrengendste Etappe ihrer Tour vor ihnen: die Überquerung der 2.962 Meter hohen Zugspitze. "Bereits auf dem Parkplatz hatte es 37 Grad. Die Hitze hat uns zugesetzt", sagt Reinisch-Indrich. Bei den Temperaturen habe sich die Besteigung des Gipfels wie die eines Siebentausenders angefühlt.

Die schönsten Momente ihrer Route waren für die beiden nicht nur die spannende und teilweise auch sehr einsame Landschaft, sondern vor allem die interessanten Menschen, denen sie auf dem Weg begegnet sind. Angefangen von alteingesessenen Bauern über Bergläufer, die durch ihr Projekt begannen umzudenken, bis hin zu Thomas Huber, dem Vater der bekannten Extrembergsteiger "Huberbuam", dem sie auf der urigen Wasseralm in den Berchtesgadener Alpen begegneten. Streckenweise begleiteten sie auch Freunde und Bekannte.

Tourenbuch und Gemäldeserie

Nach dem erfolgreichen Abschluss ihres Projekts wollen die beiden Bergsteigerinnen ihre Grenzgänge auch künstlerisch und schreiberisch verarbeiten. Christine Eberl plant eine Bilderserie, bei der sie neben Landschaftsmalereien auch die Grenzlinie, die die beiden zurückgelegt haben, einbeziehen will. Zudem sind ein Bildband und ein Tourenbuch, anhand dessen einzelne Etappen nachgegangen werden können, geplant.

Anlass der "Grenzgänge" war das 20. Jubiläum der ersten österreichischen Frauenexpedition 1994 auf den 8.013 Meter hohen Shishapangma in China, bei der Edith Bolda als erste Österreicherin den Gipfel eines Achttausenders erreichte. Gertrude Reinisch-Indrich war damals Expeditionsleiterin. Und auch Christine Eberl war schon mit von der Partie. (Stefanie Ruep, 12.08.2015)

  • Gertrude Reinisch-Indrich und Christine Eberl an der Grenztafel zwischen Zugspitze und Schneefernerkopf.
    foto: privat

    Gertrude Reinisch-Indrich und Christine Eberl an der Grenztafel zwischen Zugspitze und Schneefernerkopf.

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