Behörden prüfen Misshandlungsvorwurf gegen Wiener Polizisten

11. August 2015, 18:41
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Mutmaßlicher Taschendieb soll sich Festnahme widersetzt haben, Aufnahmen widersprechen Angaben im Polizeiprotokoll – Beamte in den Innendienst versetzt

Wien – In einem am 28. Juli aufgenommenen Handyvideo ist ein brutaler Übergriff der Wiener Polizei gegen einen bereits festgenommenen und gefesselten Mann zu sehen. Das Video eines Anrainers beim Praterstern im Bezirk Leopoldstadt wurde von der Wochenzeitung "Falter" und dem Internetportal "vice.com" am Dienstag veröffentlicht.

Die zwei Polizisten "schleuderten einen jungen Mann, dessen Hände bereits am Rücken gefesselt waren, völlig grundlos so brutal zu Boden, dass er mit dem Kopf am Beton aufschlug und sich dabei verletzte", heißt es in einer Beschreibung der Aufnahmen des "Falter".

Der fixierte Mann sei ein mutmaßlicher Taschendieb, der sich laut den Medienberichten nicht gegen seine Festnahme wehrte. Die Staatsanwaltschaft beließ ihn demnach auf freiem Fuß. Laut einem Polizeiprotokoll habe sich der Mann selbst verletzt, indem er seinen Kopf "gegen die Wand drückte", um sich der Festsetzung zu entziehen. Das Video zeige laut den Medien allerdings das Gegenteil, er habe sich "völlig passiv verhalten" und wurde "dennoch misshandelt und dabei verletzt".

Vom operativen Außendienst abgezogen

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe wurden noch am Dienstag erste Konsequenzen gezogen. "Die Beamten wurden mit sofortiger Wirkung vom operativen Außendienst abgezogen und in den Innendienst versetzt", sagte Polizeisprecher Johann Golob. Es bestehe der "dringende Verdacht, dass Körperkraft unverhältnismäßig angewendet wurde".

Zu den vorläufigen Konsequenzen gehört laut Golob auch, dass der Akt der Personalabteilung zur Einleitung eines Disziplinarverfahrens weitergeleitet wird. Den zwei Polizisten, Mitgliedern einer Sondereinheit, drohe ein Strafverfahren wegen Quälens eines Gefangenen, Amtsmissbrauch und Körperverletzung, heißt es im "Falter". (red, 11.8.2015)

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