Das Gehirn ist vermutlich anders aufgebaut als gedacht

11. August 2015, 14:11
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Neue Erkenntnisse von Lausanner Forschern dank innovativer Gefriertechnik

Lausanne – Das Gewebe des Gehirns ist nicht so dicht gepackt wie bisherige Hirnbilder annehmen lassen. Lausanner Forscher konnten dank einer neuen Gefriertechnik nachweisen, dass die Abstände zwischen den Zellen größer sind als bisherige Methoden ergeben hatten. Die Beobachtungen könnte Erkenntnisse aus früheren Bildern infrage stellen.

Um mit dem Elektronenmikroskop Bilder vom Gehirn aufzunehmen, muss dieses mit stabilisierenden Substanzen präpariert und in Harz eingebettet werden. Dabei schrumpft das Gehirn um rund 30 Prozent, was Schlüsse über seinen Aufbau und seine Funktion verzerrt, wie die Wissenschafter der ETH Lausanne (EPFL) am Dienstag mitteilten.

Gehirn in "Glas" konserviert

Bei der neuen Technik wird flüssiger Stickstoff ins Gehirngewebe gespritzt, das so innerhalb von Millisekunden auf minus 90 Grad Celsius gekühlt wird. Dies verhindert, dass das Wasser Eiskristalle bildet, die Zellen zerplatzen lassen können. Das Wasser hat danach eher die Struktur von Glas als von Kristall.

Dieses "Glas-Wasser" ersetzten die Forscher um Graham Knott von der EPFL mit dem Lösungsmittel Aceton und schließlich mit Harz. Dann untersuchten sie die Mäusegehirne mit 3D-Elektronenmikroskopie.

Mehr Verknüpfungen, größere Abstände

Im Vergleich zu chemisch fixierten waren die gefrierpräparierten Gehirne weniger geschrumpft und die Abstände zwischen den Zellen größer. Zudem waren mehr Verknüpfungen der Hilfszellen zu den Hirnzellen und zu Blutgefäßen erhalten. Auch die Verbindungsstellen zwischen den Hirnzellen selbst (Synapsen) waren stärker.

Die Gefrier-Fixierung erhält laut den Forschern somit die wahre Anatomie des Gehirns. Dies bedeute, dass womöglich bisherige Versuche der Bildgebung überprüft werden müssten. Das Team will die Methode nun an anderen Geweben testen. (APA/red, 11.8.2015)

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