"Rise of the Tomb Raider" angespielt: Zurück zu großen Abenteuern

18. August 2015, 11:18
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Lara Crofts erste große Expedition ist eine Reise zu alten Stärken

Wer über Jahrzehnte bestehen will, muss mit der Zeit gehen. Und Grabräuberin Lara Croft war die Suche nach einer neuen Identität mit jeder Fortsetzung anzusehen. Der Reboot der Action-Adventure-Serie "Tomb Raider" 2013 hat ein Fundament für eine moderne Version der ikonischen Heldin gelegt. Mit "Rise of the Tomb Raider" baut Hersteller Crystal Dynamics auf den vielen gelungenen Neuerungen auf und traut sich nach dem Abgleiten zum Shooter-Schwerpunkt im Vorgänger zurück zu den rätsellastigeren Wurzeln der Serie. Im Zuge der vergangenen Gamescom durfte der GameStandard in eines von vielen neuen Tempelgräbern abtauchen.

Am 13. November soll der Titel für XBO und X360 erscheinen, die Fassungen für Windows folgt Anfang 2016, jene für PS4 Ende 2016.

Wettlauf gegen die Zeit

Durch eine übernatürliche Erscheinung vom Entdeckerfieber gepackt, machen sich die junge Croft und ihr Begleiter Jonah Maiava auf, um in Sibirien nach der antiken Stadt Maly Kitesch zu suchen, die im 13. Jahrhundert von Juri II, Großfürst von Wladimir, erbaut worden sein soll. Die der Sage nach in einem See versunkene Stadt hüte das Geheimnis der Unsterblichkeit. Ein Wettlauf gegen die Zeit: Die Schergen der schwerreichen und skrupellosen Organisation Trinity sind ebenfalls an dem Schatz interessiert.

Die Gameplay-Demo steigt auf dem Weg nach Sibirien in Syrien in die Geschichte ein und führt in einen antiken Grabtempel, der im Massiv eines Felsen errichtet wurde. Inspiriert von Bauwerken wie der Felsenstadt Petra hat die Natur den von Menschenhand geformten Stein wieder für sich beansprucht. Ein traumhafter Anblick, der im Moment Kindheitserinnerungen an Indiana Jones einschießen lässt. Sofern Sie heute auch so Anfang 30 sind.

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Die Macht der Schrift

Das fiktive Kulturerbe ist für Croft eines von vielen tödlichen Labyrinthen, die es zu durchqueren gilt. Laut den Entwicklern habe man den Fokus wieder deutlich stärker auf Exploration gelegt. Das neue Übersetzungssystem schlägt in diese Kerbe und ermöglicht es der Abenteuerin, Wandbilder und Schriftrollen schrittweise zu entziffern und sogar ganze Sprachen zu erlernen.

Spontan aufkommende Sorgen, wonach man hier gar noch etwas lernen würde, sind unangebracht: Für Spieler bedeutet dies lediglich, dass gefundene Texte und Zeichen zum Ausbau von Crofts Sprachkenntnissen (Altgriechisch, Latein, et cetera) beitragen. Sammelt man genügend Texte, beherrscht sie eine neue Sprache und kann so zum Beispiel Tore zu zusätzlichen Geheimgängen und Schatzkammern entschlüsseln. Es ist kein anspruchsvolles, aber cleveres System, das dazu bewegt, die Kulissen genauer zu erkunden und sich Zeit zu lassen.

Welt voller Gefahren

Um sich in den mystischen Orten zurechtzufinden, kann man sich entweder auf sein Gespür oder per Knopfdruck auf eine übersinnliche Wahrnehmung verlassen, die Pfade und Schlüsselelemente aus der Umgebung herausstechen lässt. Nicht sehr subtil gelöst, aber speziell anfangs hilfreich, um die Symbolsprache des Spiels kennenzulernen.

Die heiligen Ruhestätten sind gespickt mit Fallen und teils geskripteten Plattformsequenzen, bei denen schnelle Reaktionen entscheidend sind. So bricht gerne einmal der Boden unter den Füßen weg oder ein massiver Balken schwingt an einem Seil herab. In diesem Fall verlangsamt glücklicherweise die Zeit, um rechtzeitig die Verankerung aufschießen und den Balken abstürzen zu lassen.

Die Wegfindung über Kletterpassagen und Sprungeinlagen erfordert hingegen vor allem Voraussicht. In der Demo galt es den Wasserstand im Tempel stückweise zu erhöhen und auf zuvor aktivierten Floßen zum nächsten Vorsprung zu manövrieren. Wenngleich manche dieser Puzzles gar ein wenig konstruiert wirken, schaffen sie es – zusammen mit der fantastischen Architektur – das Gefühl zu erzeugen, in einer fremden, gefährlichen Welt zu sein.

Headshots nicht verlernt

In der bislang ersten spielbaren Sequenz nicht ausprobiert werden konnte das Crafting-System, mit dem man Waffen und Ausrüstungsgegenstände aus erlegten Tieren und Pflanzen basteln kann. Zudem gab es keinen Einblick in die offenen Spielelemente wie den wechselnden Tag/Nacht-Zyklus oder die Jagd und die Funktion, an bestimmten Stellen ein Lager zu errichten, um den Spielverlauf zu unterbrechen und Schutz vor der harschen Umgebung (samt dynamischem Wetter) zu suchen.

Es gilt daher abzuwarten, wie offen sich die Spielweise tatsächlich gestalten wird, durch besagtes Tempelgrab führte ein streng linearer Weg. Auch bin ich mir nicht sicher, ob man Langzeitfans einen Gefallen damit tut, wenn die übernatürlichen Fähigkeiten Lara Crofts Lösungswege für Rätsel unmittelbar sichtbar zu machen.

Spielerisch versprechen die Entwickler eine erweiterte Mobilität und mehr Optionen für Angriffe aus dem Hinterhalt. Die Konfrontation mit den Widersachern in der Demo erfolgte jedoch zu geskriptet, um sich mit diesen Fertigkeiten vertraut machen zu können. Headshots hat die Abenteurerin jedenfalls nicht verlernt. Spannend zu sehen sein wird, ob und wie gut es Crystal Dynamics gelungen ist, Traversal- und Action-Elemente zu vereinen.

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Zappelnde Spaghetti am Kopf

Klar ist auch, dass bis zum Marktstart im November noch jede Menge Feinschliff nötig ist. So menschlich die neue Lara Croft und so atmosphärisch ihre Welt anmuten, so unrund läuft noch vieles in der dahinterstehenden Mechanik ab. Die Steuerung ist sowohl bei den Sprungeinlagen als auch beim Zielen schwammig und die Animationen haben speziell beim Klettern und bei der (passiven) Interaktion mit der Umgebung noch etwas Roboterartiges.

So sah man in der Demo noch sehr gut, wann eine Animation in die andere überging und an manchen Stellen, wie beim Waten durch einen überfluteten Korridor, fischte Croft mit den Händen durch die Luft. Offenbar beabsichtigt, aber völlig übertrieben simuliert, sind unterdessen Crofts bereits im Vorfeld viel besprochenen Haare: Wie Spaghetti mit Eigenleben zappeln diese über Stirn und Gesicht.

Faszination Abenteuer

Es sind technische Ungereimtheiten, die allerdings nicht den positiven Ersteindruck abmindern können, wonach "Tomb Raider" mit dem ersten Kapitel seit dem Reboot wieder zu einer starken eigenen Identität aufzublühen scheint. Lara Croft mag schon eine Weile nicht mehr die größte aller SchatzsucherInnen sein, doch es tut als Fan gut mit anzusehen, wie sie sich wieder zielstrebig weiterentwickelt, anstatt im Dunklen herumzuirren.

Platz für mehrere charismatische Grabräuber gibt es in jedem Fall genug. Denn die Faszination, eine Reise zu Kulturschätzen anzutreten, die es niemals gab oder ob der tragischen realen Krisenherde bald nicht mehr geben könnte, wird mit jedem verstrichenen Tag größer. (Zsolt Wilhelm, 18.8.2015)

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    bild: rise of the tomb raider
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