Experten warnen vor gefährlichen Magertrends im Internet

11. August 2015, 12:17
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Rund drei Prozent der österreichischen elf- bis 17-Jährigen sind laut Medizinern an Anorexie oder Bulimie erkrankt

Kinder- und Jugendpsychiater der Universitätsklinik Innsbruck haben vor gefährlichen Magertrends im Internet gewarnt. Jeden Sommer würden neue Phänomene auftauchen, die fragwürdige Schönheitsideale propagieren. Rund drei Prozent der österreichischen elf- bis 17-Jährigen seien an Anorexie oder Bulimie erkrankt, meinten die Psychiater im Rahmen einer Pressekonferenz am Dienstag.

"Belly Button Challenge"

Neue Trends wie "Thigh Gap", wobei eine möglichst große Lücke zwischen den Innenseiten der Oberschenkel bei geschlossenen Beinen erreicht werden soll, oder die "Belly Button Challenge", bei der versucht werde, mit einem Arm hinter dem Rücken herumgeschlungen den eigenen Bauchnabel zu berühren, würden eine immer größere Gefahr darstellen, warnte Kathrin Sevecke, Direktorin der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Besonders problematisch sei, dass Patienten mit Essstörung fast immer zu spät und in einem bereits sehr schlechten Zustand in die Klinik kommen würden, meinte Sevecke. "Dabei wäre die Früherkennung besonders wichtig, um eine Chronifizierung zu vermeiden. Bereits bei den ersten Anzeichen sollte ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden", erklärte die Kinder- und Jugendpsychiaterin.

"Eltern, Lehrer, Hausärzte, aber auch Freunde oder Geschwister müssen bei den ersten Anzeichen bereits handeln"

Sevecke nahm in diesem Punkt vor allem das soziale Umfeld der Betroffenen in die Verantwortung. "Eltern, Lehrer, Hausärzte, aber auch Freunde oder Geschwister müssen bei den ersten Anzeichen bereits handeln", forderte die Medizinerin auf. Ein schneller Gewichtsverlust, das Verstecken von Essen oder das Verweigern von Nahrungsaufnahme in Gesellschaft, könnten Hinweise auf eine Erkrankung sein.

An der Innsbrucker Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie würden laufend rund sechs Patienten mit Essstörungen stationär betreut. Ambulant seien es zwischen 40 und 50, sagte Martin Fuchs, Oberarzt an der Uni-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die Kapazitäten seien damit ausgelastet. 15 bis 17 Patienten seien derzeit auf der Warteliste für eine stationäre Aufnahme. "Deshalb wird es im Klinikneubau in Hall eine eigene Spezialstation für Essstörungen mit weiteren acht Betten geben", kündigte Sevecke an. (APA, 11.8. 2015)

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