Glawischnig im ORF-Sommergespräch: "Wer soll das verstehen?"

11. August 2015, 10:11
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Das Ohr am einfachen Volk, dem verständnislosen

Im vergangenen Jahr durften noch die Bürger selbst ihre Sorgen und bisweilen auch ihre großmütterliche Wut artikulieren. Heuer reicht dem ORF bei den Sommergesprächen ein einziger, nämlich Hans Bürger. Der hat schließlich das Ohr nahe am Volk. Er stelle nicht die Fragen des Hans Bürger, sondern jene, die er immer wieder höre.

Und was man da nicht alles hört über die Grünen von Bundessprecherin Eva Glawischnig: dass sie zu einem Radfahrklub geworden seien, zum Beispiel. Dass sie sich stärker für die einsetzen, die "zu uns" kommen, als für die, die schon da sind. Es gebe auch Leute, die sagen, das wird eine G’scheiterlpartei. Besserwisser, Bobos, Gutmenschen: "Man kennt das ja." Die "einfachen Leute" hätten nicht den Eindruck, dass die Grünen sich um sie sorgen.

Reine Imagefrage

Glawischnig betont, ihr erzählen die Bürger – also die richtigen – eher von ihren Alltagssorgen: Kinderbetreuung, Schule, Geldprobleme, leistbare Mobilität. Doch von dem bisschen Sachlichkeit lässt sich ein Bürger nicht von den wirklich wichtigen Fragen abbringen, nämlich jenen nach dem Image.

Das sei auch so ein Problem der Grünen, kontert er Glawischnigs Ausführungen, warum die Außenhandelspraxis der EU mit Wirtschaftsflüchtlingen aus Ländern wie dem Senegal zusammenhängen könnte: "Wer soll das verstehen?" Er, Bürger, wolle das ja nicht heruntermachen. "Aber glauben Sie wirklich, dass man es in Ottakring, wo es einen hohen Ausländeranteil gibt, versteht, wenn Sie mit Fischern im Senegal argumentieren?" Der Bürger aus Ottakring, dem Ottakring mit dem hohen Ausländeranteil, ist schließlich kein Bürger vom Küniglberg.

Bessere Zuhörer

Wenig gehört habe man, sagt Bürger, dem auch die Abwesenheit des Hörbaren nicht entgeht, beim Thema Sozialpolitik. Außerdem: Brav sein allein genüge nicht. Die Wähler seien "anscheinend" nicht davon überzeugt, die Grünen würden aktiv "was wollen" außer anständig sein. "Was machen die Freiheitlichen besser? Hören sie besser zu?" Eine gelungene Einstimmung auf kommenden Montag, wenn Heinz-Christian Strache zu Gast ist. Der Gastgeber wird ihm hoffentlich keinen Wettstreit darum liefern, wer den "einfachen Leuten" besser zuhört. Hörensagen war noch nie eine gute Gesprächsbasis. (Simon Moser, 11.8.2015)

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