Das langsame Sterben des Universums

10. August 2015, 22:00
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Astronomen haben die produzierte Energie von 200.000 Galaxien vermessen und Hinweise gefunden, dass der langsame Wärmetod bereits eingesetzt hat

Honolulu/Wien – Wie das Universum einmal zu Ende gehen wird, ist alles andere als eindeutig geklärt. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass wir erstaunlich wenig über die Beschaffenheit der Dunklen Materie und der Dunklen Energie wissen. Und die haben ein gewichtiges Wörtchen mitzureden, welchen Endzustand das Universum in ferner Zukunft einmal annehmen wird.

Gegenwärtig gibt es drei denkbare Szenarien, die alle drei einen englischen Namen tragen und mit Big beginnen: Beim Big Crunch, dem großen Zusammenkrachen, versammelt sich alle Materie am Ende wieder in einem Punkt, beim Big Rip kommt es zu einer Art kosmischem Raumplatzen. Und dann gibt es noch den Big Chill, den sogenannten Wärmetod des Universums, das sich bis in alle Ewigkeit ausdehnt. Diese Annahme setzt voraus, dass es sich beim Universum um ein abgeschlossenes System handelt.

Ein internationales Forscherteam hat am Montag bei der Tagung der Internationalen Astronomischen Union in Honolulu neue Daten vorgelegt, die darauf hindeuten, dass wir uns bereits längst im großen Chillen befinden. Die Forscher um Simon Driver vom Projekt Galaxy and Mass Assembly (Gama) beobachteten immerhin 200.000 Galaxien und dabei konkret: wie viel Energie diese produzieren.

Zwar sind diese 200.000 nur ein Bruchteil der Abermilliarden von Galaxien des Universums. Doch das, was die Astronomen dabei feststellten, wies einen eindeutigen Trend auf: Diese Galaxien produzieren nur mehr die Hälfte jener Energie, die sie vor zwei Milliarden Jahren erzeugten – und zwar quer durch das gesamte Energiespektrum. Die Forscher untersuchten die Galaxien nämlich in 21 Wellenlängen von Ultraviolett bis zum fernen Infrarot.

Die gesamte Energie des Universums war beim Big Bang vor 13,8 Milliarden Jahren entstanden, ein Teil in Form von Masse, die von den Sternen in Energie umgewandelt wird. Und dieser Prozess neigt sich sehr langsam seinem Ende zu. In den bildhaften Worten von Simon Driver: "Das Universum wird langsam alt. Es hat sich gleichsam auf ein Sofa gelegt, eine Decke übergezogen und macht sich bereit für einen ewigen Schlummer." (tasch, 11.8.2015)

  • Egal, welchen Energiebereich die Astronomen untersuchten: Alles deutet darauf hin, dass zumindest in einem begrenzten Teil des Universums die Energieproduktion von Galaxien kontinuierlich abnimmt.
    illustration: icrar/gama/eso/standard

    Egal, welchen Energiebereich die Astronomen untersuchten: Alles deutet darauf hin, dass zumindest in einem begrenzten Teil des Universums die Energieproduktion von Galaxien kontinuierlich abnimmt.

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